Ade Genosse Anton!

Mit Trauer mußten wir erfahren, daß unser Genosse Anton im einundneunzigsten Lebensjahr die Bühne für immer verlassen hat.
Als Sohn eines Seidenwebers kam er 1909 im Waldviertel zur Welt und wuchs unter ärmlichsten Bedingungen auf. Als Kind mußte er täglich einen endlos langen Weg zur Schule zurücklegen. Der Pfarrer war es, der dem Ministranten die ersten Bücher zum Lesen gab. Mit 14 Jahren begann er in Wien eine Lehre als Elektriker. Dort war der Bub vom Land auf sich alleine gestellt und vollkommen der Willkür seines Meisters ausgeliefert. Sein Schlafplatz war in der Werkstätte.
Zeitig trat er der sozialdemokratischen Jugendorganisation bei, später war er Mitglied der SPÖ Mariahilf und des Schutzbundes. Voll Verbitterung konnte er immer wider erzählen, wie die Schutzbundführung in den Kämpfen des Februar 1934 die zum Widerstand bereiten GenossInnen ohne Waffen und ohne Führung in den Kellern sitzen ließ. Dieser Verrat war für Anton ein einschneidendes Erlebnis. Der spätere Wiener SP-Bürgermeister Marek wurde aus dieser Erfahrung heraus zu seinem persönlichen politischen Feindbild.
Noch vor 1938 wurde er Mitglied des “Kampfbundes zur Befreiung der Arbeiterklasse” (KB), der damals größten mit Trotzki sympathisierende Organisation in Österreich, unter der politischen Führung von Josef Frey.
Frey konnte den Nazischergen 1938 gerade noch entkommen und mußte in die Schweiz ins Exil fliehen. Der Kampfbund zersplitterte sich während des Krieges, Anton blieb einer der wichtigsten Anhänger Freys, der in Wien weiterarbeiten konnte, da er während des Krieges nicht einrücken mußte. Selbst unter schwierigsten Bedingungen wurden mit SympathisantInnen und Mitgliedern politische Schulungskurse abhalten. Uns Junge beeindruckte immer wieder seine Erzählungen, wie er trotz schärfster Überwachung und Illegalität Schulungsmaterial zusammengerollt in der Pumpe seines Fahrrades versteckte.
Nach dem Krieg verbrachte er kurze Zeit in Linz. Als er wieder nach Wien zurückkehren konnte, schloß er sich sofort dem neu aufgebauten Kampfbund an. Mit seinen technischen Begabungen und seinen Beziehungen im Betrieb gelang es ihm, dem illegalen Kampfbund die ersten technischen Mittel zur Verfügung zu stellen. So konnte er eine im Betrieb ausrangierte Schreibmaschine für den Kampfbund “requirieren” und damit dem Kampfbund sein erstes Schreibgerät verschaffen. Auch das damals spärliche Papier konnte er abzweigen.
Als dann die jüngeren GenossInnen des KB bei der Gründung der Internationalen Kommunistischen Liga (IKL) 1976 mitwirkten, wurde Anton zwar kein formelles Mitglied dieser neugegründeten Organisation mehr, er besuchte aber regelmäßig ihre Veranstaltungen und zahlte regelmäßig seinen Mitgliedsbeitrag. Später wurde eine PensionistInnenzelle gegründet, an der er regelmäßig und sehr rege teilnahm. Selbst als er schon in ein Pensionistenheim ziehen mußte, besuchte er noch diese Zelle.
Nach der Spaltung von der IKL und der Gründung der Gruppe ArbeiterInnenstandpunkt wurde er ein treuer Sympathisant unserer Organisation, der es sich trotz seines hohen Alters nicht nehmen ließ, auf die eine oder andere Veranstaltung zu kommen und eine Brandrede für die Sache der revolutionären ArbeiterInnenbewegung zu halten.
Doch die Zeit ging auch an ihm nicht vorbei, Antons Kräfte begannen zu versiegen. Der Tod erlöste diesen tapferen und vorbildlichen Kämpfer für die Sache der ArbeiterInnenklasse. Ehre seinem Andenken!