| Schöne, neue Telekommunikationswelt? Wenn es nach der Meinung von manchen bürgerlichen JournalistInnen und WissenschafterInnen geht, dann steht der Menschheit dank der neuen Kommunikationstechnologien eine großartige Zukunft bevor. Die realen Trends, die sich auf diesem Gebiet in den letzten Jahren abgezeichnet haben, gehen jedoch keineswegs in die versprochene Richtung. Was wurde alles von den marktwirtschaftlichen PropagandistInnen in Aussicht gestellt? a) Die neuen Kommunikations-Technologien führen zu neuen Freiheiten für die Menschen und zu einer neuen Vielfalt in den kulturellen Ausdrucksformen. b) Die neuen Kommunikations-Technologien begründen eine neue Gesellschaft (Infomationsgesellschaft), in der mehr Gleichberechtigung beim Informationszugang zu mehr Demokratie führt und ein Mehr an globaler Kommunikation zwischen den Menschen ein Mehr an Verständnis zwischen den Völkern erzeugt. c) Die neuen Kommunikations-Technologien sind die Leittechnologie des 21. Jahrhunderts. Ähnlich wie das Automobil das Produktions- und Konsumtionsmodell des 20. Jahrhunderts geprägt habe, würden digitales Fernsehen, Internet und Telearbeit neue Massenmärkte und Arbeitsplätze in den kommenden Jahrzehnten schaffen. Was sind die neuen Kommunikations-Technologien? Bevor wir uns die Realität im Vergleich zu diesen markigen Thesen ansehen, soll kurz geklärt werden, was neue Kommunikationstechnologien überhaupt sind. Es handelt sich um eine Reihe von technologischen Einzelleistungen, die in absehbarer Zukunft jedoch zu einem einzigen Komplex miteinander verbunden werden sollen und nur als dieser Komplex erreichen sie angeblich die behauptete neue Qualität. Beginnen wir einmal mit den Handy-Netzen. Seit einiger Zeit wird zusätzlich zum Festnetzsystem eines mit tragbaren, netzunabhängigen Geräten aufgebaut. Gegenwärtig gibt es immer noch sehr viel mehr Festnetztelefone als Handys, aber dies soll sich in den nächsten 20 Jahren grundlegend ändern. Die Folge könnte sein, daß es nicht mehr ein Telefon pro Wohnung, sondern ein Telefon pro Person geben wird. Das impliziert natürlich eine gewaltige Marktexpansion. Gegenwärtig schaut die Lage in Österreich folgendermaßen aus: Bis Ende 1997 soll es 800.000 NutzerInnen des A1-Netzes, also jenes der österreichischen Post geben; Ende 1998 mehr als 1 Million. Die Schätzungen wurden in den letzten Monaten mehrmals nach oben revidiert. Max.mobil, der Hauptkonkurrent der Post, der im wesentlichen von Siemens und der Kronenzeitung beherrscht wird, startete im April 1997 eine Offensive. Sein Netz verfügt derzeit über 600 Funkstationen und versorgte im April 30.000 KundInnen. Bis Jahresende sollen es 140.000 sein. Bis dann will man mit 1.100 Funkstationen 90% der Bevölkerung funktelephonisch erreichen können. Bislang funktionierte das Max.mobil-Netz nämlich hauptsächlich in den Ballungszentren und entlang der Verkehrsachsen. Das dritte Handy-Netz gehört dem Konsortium Connect, bestehend aus Radex Heraklit, Viag, Telenor, Constantia Privatbank und GiroCredit. Später stieß Tele Danmark als internationaler Partner zum Konsortium. Connect wird aber erst im Sommer 1998 den Betrieb wirklich aufnehmen können. Es wird erwartet, daß die Handy-Tarife zu diesem Zeitpunkt noch einmal ins Rutschen geraten werden und dadurch eine weitere Marktexpansion eintritt. Allerdings ist die Qualitätsverbesserung der Geräte selbst an einem (vielleicht vorläufigen) Ende angelangt. Die NetzbetreiberInnen verlagern den Kampf um die KundInnen auf die Ebene des Services und auf eine mehr oder weniger flächendeckende Netztauglichkeit. Selbst damit aber bleibt das Unternehmensziel Ein Telefon pro Person recht unwahrscheinlich, da auch ein Handy mit relativ locker sitzendem Geld verbunden ist. Alle Tarifmodelle, ob nun der Post oder der Privaten, funktionieren letztlich nach der Logik Bei niedrigen Gesprächsgebühren - hohe Grundgebühr bzw. umgekehrt. Außerdem wird das Handy immer ein Zweittelefon bleiben, was bedeutet, daß der ArbeiterInnenhaushalt zwei Telefonrechnungen zu bezahlen hat! Die interessanteste Zukunft des Handys liegt zudem zweifelsohne in der Kombination mit dem PC, vor allem den Laptops: An diese angedockt ist die Verbindung zwischen Computern nicht mehr an ein Festnetz (Telefonleitung, ISDN usw.) gebunden. Damit steht ein anderer Aspekt der telekommunikativen Revolution, die Digitaltechnologie, im Zusammenhang. Über Jahre waren die Welten der Computer und der Telekommunikation deswegen getrennt, weil die digitale Sprache der Computer erst in die analogen Signale des Telefons über- und rückübersetzt werden mußte. Durch die Einführung digitaler Übertragungsmethoden im Telefon-Bereich wird Stück für Stück die direkte digitale Kommunikation zwischen Computern über beliebige Entfernungen hinweg möglich. Dadurch wurden zunächst sogenannte digitale Telefonsysteme möglich. Bei Telefon-Anschlüssen, die bereits digitalisiert sind, können Telefone angeschlossen werden, bei denen Funktionen wie Anklopfen, Norm-Text-Ansage, Rufumleitung oder einmaliger Termin-Ruf verwendet werden können. Außerdem ist natürlich der Datentransfer und damit etwa das einklinken in Datennetze wie das Internet, wesentlich erleichtert. Diese Tatsache hat dazu beigetragen, daß die Telefongesellschaften begannen, sich auch für Daten und Fernsehen zu interessieren. Bei der Liberalisierung der Telefonsysteme und der Öffnung der nationalen Telekom-Märkte für internationale AnbieterInnen begann daher eine Vernetzung zwischen diesen Bereichen. Digitales Fernsehen Etwa gelten die Kabel-TV-BetreiberInnen als wichtiger Mitspieler im liberalisierten Telefon-Wettbewerb nach der völligen Liberalisierung 1998, da sie bereits über Leitungen und KundInnenverbindungen verfügen. Mit 320.000 Anschlüssen zählt Wiener Telekabel zu den weltweit größten AnbieterInnen dieser Branche. Philips hatte sich Ende 1996 aus Wiener Telekabel zurückgezogen, wodurch der Einstieg von Verbund/ÖBB (tele.ring) erleichtert wurde. Video on demand und Pay-TV (kostenpflichtiges Fernsehen) werden erst mit dem digitalen TV möglich. Fernsehen wird außerdem unbegrenzt mit Online-Diensten und dem Internet kombinierbar. Bestimmte Fußball-Übertragungen gibt es in der BRD bereits nur noch über Pay-TV (z.B. Premiere). Hiezu sind videorecordergroße Decoder notwendig. Mit dem Decoder eröffnen sich den KundInnen Dutzende neue (digitale) TV-Kanäle, Tele-Banking, Video on demand und Internet-Anschluß. Das kostet natürlich aber auch sein Geld. Das digitale TV macht es jedenfalls möglich, daß man sich zu einem bestimmten Zeitpunkt auflisten lassen kann, auf welchen Programmen im Augenblick Krimis laufen, welche Wissenschaftssendungen wo zu sehen sind oder daß man durch ein elektronisches Lesezeichen ein Thema markiert, zu dem man über weitere Sendungen informiert werden will. Es ist aber scheinbar noch unklar, ob der Electronic Programme Guide mit der d-box von Kirch, dem bayrischen Filmgiganten, gelesen werden kann. Ansonsten droht wieder ein neues System. Womit sich zeigt, daß die private Konkurrenz der KapitalistInnen sinnlos Forschungsressourcen verschwendet, indem unabhängig voneinander ähnliche, aber noch dazu nicht kompatible Erfindungen gemacht werden. Die enormen Datenmengen erzeugen einen Engpaß bei den Übertragungskabeln. Die traditionell vorherrschenden Kupferdrähte in den Telefonnetzen sind für digitale Multimedia-Übertragungen ungeeignet. Man braucht eine höhere Bandbreite. Die Langstrecken-Kabel sind in den meisten Ländern längst durch Glasfaser-Kabel ersetzt. Das Integrierte Sprach-Daten-Netz (ISDN) ist eine besonders leistungsfähige Kabelverbindung. Sie kann Sprache, Text, Daten und Bilder in hochwertiger Qualität simultan übertragen. Eine Möglichkeit damit sind Videokonferenzsysteme. Die PTA kündigte im März 1997 an, in Bälde Videokonferenzen zwischen 2 bis 8 TeilnehmerInnen zu ermöglichen. Die Hardware dafür gibt es im Postshop. Seit 1996 nehmen die ISDN-Basisanschlüsse exponentiell zu, so daß es Anfang 1997 bereits 40.000 derartige Anschlüsse gab. Die Zahl der Multianschlüsse (ISDN-Anschlüsse mit 30 nutzbaren Kanälen) stieg auf 1.376. Aber dies - wie etwa Video-Konferenzen - ist freilich fast nur für Konzerne interessant, die sich dadurch Reisekosten ersparen. Internet und Telearbeit Das Internet ist ein weltweites Datennetz ohne EigentümerIn und ohne zentrale Verwaltung oder Kontrolle mit gegenwärtig etwa 300 Mill. TeilnehmerInnen (in seinen Anfangsjahren war es ein Netzwerk nur für WissenschafterInnen, finanziert durch die US-Regierung mit bloß ein paar tausend verbundenen Computern). Die Benützung des Internet ist bislang fast kostenlos. Nicht zuletzt deswegen verdoppelt das Internet seine TeilnehmerInnenzahl ungefähr jährlich. Dieser Trend wird aber sein natürliches Ende finden, denn die Nutzung des Internet verlangt insgesamt sehr wohl mehr Zeit und Geld, als durchschnittliche ArbeiterInnenhaushalte dafür aufbringen können bzw. möchten. So braucht man nicht nur die Hard- und Software, auch die Post (bzw. die NetzbetreiberInnen) schneidet da mit. Die Entwicklung geht außerdem in die Richtung, daß ursprünglich kostenlos angebotene Informationen zunehmend kostenpflichtig werden. Auch die Anmeldekosten werden erhöht. Um sofortiges Bezahlen per Kreditkarten-Nummer möglich zu machen, müssen allerdings die Sicherheitsgarantien (Fälschungssicherheit von elektronischen Unterschriften etc.) verbessert werden. Das Internet hat für Unternehmen drei große Vorteile: a) Man kann zum Ortstarif e-mails in alle Welt verschicken und damit seine KundInnen und PartnerInnen über neue Angebote und dergleichen am Laufenden halten. Elektronische Post erspart Unternehmen bis zu 70% ihrer Postkosten. Manche elektronische Nachricht kommt sogar um 85% billiger als eine traditionelle Postsendung. Innerhalb Österreichs ist das ISDN-Fax über das Datennetz der Post der günstigste Weg für Briefe; bei Schreiben ins Ausland das e-mail via Internet. b) Man kann selber Werbeseiten ins Netz stellen, die Kataloge und Preislisten enthalten. c) Man kann direkt Internet-Shopping und -Banking durchführen, Einkauf ohne das eigene Haus zu verlassen, ohne sich irgendwo anzustellen und ohne vorher zur Bank zu gehen. Für große Firmen gibt es auch die Möglichkeit, Intranets zu eröffnen, für Infos, die nur konzernintern verwendet werden können. Das Internet wird sich zunehmend in eine hierarchisch gestufte Dienstleistung verwandeln. D.h. wertvollere Dienste, wie IBMs Global Network oder AT&Ts WorldNet werden nur über Bezahlung zusätzlicher Gebühren erreichbar sein. Das Leben im Netz wird angeblich in der digitalen Ökonomie der Zukunft Alltag sein. In den USA verdienen bereits 5 Millionen Menschen ihr Geld mit Telearbeit, d.h. durch Heimarbeit am Computer. In Österreich gibt es erst ein paar hundert TelearbeiterInnen, hauptsächlich bei IBM und im Siemens-Teleworking-Center. Österreich hinkt ewig nach, meinte die Presse vom 20.8.1997. Wirtschaftskammer-Miklau: Die starren Gesetze verhindern die moderne Technologie. International läßt sie sich aber nicht verhinderm., Wenn nichts geschieht, wird sich die Standortqualität Österreichs massiv verschlechtern. Der Einsatz von Telearbeit ist für die UnternehmerInnenseite auch deswegen interessant, weil sie die ArbeiterInnen voneinander isoliert. Sie sind auch gewerkschaftlich viel schwerer zu organisieren. Erste Studien haben zudem ergeben, daß die freie Zeiteinteilung zu Hause ein zusätzlicher Streßfaktor ist, da so die Arbeit vor dem Bildschirm immer wieder durch Haushaltspflichten vor allem der Telearbeiterinnen unterbrochen wird. Neue Freiheit und Vielfalt? In den Jahren 1989 bis 1993 reduzierte die Deutsche Post ihren Personalstand um 47,3%, die britische Post um 45,2%, die Schweden immerhin noch um 6,3%. Der österreichischen Post steht ähnliches bevor. 10.000 Beschäftigte sollen bis 1999 abgebaut werden. Beginnt die neue Freiheit der Kommunikationsgesellschaft mit steigender Arbeitslosigkeit? Damit ist ein wesentlicher Punkt angesprochen. Die Liberalisierung der Märkte und die kapitalistische Entwicklung im allgemeinen führen zu einer extrem ungleichen Entwicklung. Neben neuem Reichtum für gewisse Schichten entsteht gleichzeitig eine gewaltige neue Armut. Die Arbeitslosen und Armen der Gegenwart und Zukunft werden am Kommunikationsboom nicht teilhaben, weil die Teilnahme eben Geld kostet. Genaugenommen kann man genau soviel teilhaben wie man Geld hat. Die neue Freiheit besteht für die ärmeren, schlechtbezahlten Schichten der ArbeiterInnenklasse demnach genau darin, frei von Information und Kommunikation zu sein. Ähnlich steht es mit dem Argument der Vielfalt. Die Tatsache, daß im digitalen TV mehr als 500 Programme empfangen werden können, ist an sich noch keine Gewähr, daß dadurch die Vielfalt des Angebots steigt oder daß für jeden das passende dabei wäre. Untersuchungen in den USA zeigten, daß die Vervielfachung der Programmangebote gleichzeitig zu einer Vereinheitlichung der Programminhalte führte. Alle Gesellschaften orientieren ihre kostenintensivsten Programme auf die gleichen KonsumentInnenschichten, nämlich jene, die wiederum die größte Kaufkraft repräsentieren und die daher die höchsten Werbeeinnahmen und Tele-Shopping-Verträge garantieren. Das gleiche gilt natürlich für die aufwendigsten Internet-Inhalte. Die neue Kommunikations- und Fernsehwelt ist also eine Welt gemacht von Reichen für Reiche. Faßt man all das bisher gesagte zusammen, so kommt man zu dem Schluß: 1) Die Produkte der neuen Kommunikationstechnologie sind in ihren Möglichkeiten und Inhalten eher für die Konzerne, die UnternehmerInnen, von Interesse. 2) Sie kosten - bei regelmäßiger Nutzung, und nur dann rentiert sich die Anschaffung wirklich - einiges Geld, das knapper werdende ArbeiterInnenbrieftaschen im Schnitt nicht oder zumindest nicht so leicht haben. Viele Frauen, PensionistInnen, Teilzeitbeschäftigte und Arbeitslose (das ist zusammen schon die Mehrheit der Bevölkerung) können sich dies kaum leisten. 3) Vergleicht man den Personalabbau bei den vormals staatlichen Post- und Telekombetrieben mit dem Zuwachs an Arbeitsplätzen in der neuen Kommunikationsindustrie, so bleibt unterm Schnitt wohl eher ein Minus an Arbeitsplätzen. Die ganze neue Kommunikationstechnologie ist zu dem stark kapitalintensiv und braucht wenig ArbeiterInnen. Dadurch wird das (kapitalistische) Problem der Überakkumulation auf einer höheren Entwicklungsstufe nur verstärkt. Von einer neuen Leitindustrie kann in dieser Hinsicht daher keine Rede sein. Wer hat den Vorteil?
Nutzung und Zugang zu den neuen Medien sind auf die UnternehmerInnen und nicht auf die ArbeiterInnen zugeschnitten sind. Die Telekommunikation ist auch keine Branche ohne kapitalistische Krisensymptome sei. Der Markt wird nun auch in Österreich ab Jänner 1998 völlig liberalisiert. Man könnte meinen, die Liberalisierung des Telekom-Marktes bewirke das Entstehen vieler gleichberechtigter AnbieterInnen, die miteinander in einem produktiven Wettbewerb stünden, von dem auch die KundInnen durch mehr Angebote und geringere Preise profitieren können. Beide Annahmen sind sehr kurzsichtig. Denn langfristig sind wir auf dem besten Weg zu neuen, diesmal privaten Telekom-Monopolen. Eine wesentliche internationale Entwicklung besteht ja gerade darin, daß in Vorbereitung auf die Totalliberalisierung des Marktes praktisch alle ehemaligen (staatlichen) Telekom-Monopole internationale Kooperationen eingehen. Die vier größten globalen Allianzen sind vermutlich folgende: * NTT (die weltweit größte Telekom-Gesellschaft) wurde 1985 privatisiert und monopolisiert immer noch das japanische lokale Netzwerk. NTT dominiert darüberhinaus die Telekom-Welt in Asien. * AT&T ist die weltweit zweitgrößte Telefongesellschaft, v.a. im US-Markt beheimatet. Sie ging lockere Kooperationen mit Unisource (Konsortium aus schweizerischer, schwedischer und niederländischer Telekom) in Europa ein. Gemeinsam mit Unisource einerseits und mit Telekom Singapur und KDD Japan andererseits bildete AT&T das Konsortium WorldPartners in Asien. * Die Deutsche Telekom bildete gemeinsam mit France Telekom das Konsortium Atlas, und beide gemeinsam verbanden sich mit dem drittgrößten US-Ferngesprächsanbieter Sprint zum gemeinsamen Konsortium Phönix. DeTe ist mit 30% an der ungarischen Matav beteiligt, hat 25% der indonesischen Mobiltelefon-Gesellschaft Satelindo gekauft und baut in Moskau ein Handy-Netz auf. * British Telecom wolltesich mit der zweitgrößten US-Telefongesellschaft MCI zum Consortium Concert verbinden, allerdings wurden diese Pläne einstweilen auf Eis gelegt. BT beteiligt sich in anderen europäischen Ländern an alternativen Netzen (in Deutschland etwa an Viag Interkom, in Italien gründete sie gemeinsam mit der Banca Nationale del Lavoro die Firma Albacom und in Spanien besitzt sie gemeinsam mit der Banco Santander das Telekom-Unternehmen Megared). Die Liberalisierung schuf also innerhalb von ca. 15 Jahren (beginnend mit der Zerschlagung des AT&T in den USA der frühen 1980er Jahre) eine Handvoll TelekomgigantInnen, die nun den Weltmarkt unter sich aufteilen. Diese Konglomerate, Allianzen und Konzernverbindungen haben jetzt das Sagen und nicht einzelne Firmen. Die staatlichen Postmonopole wurden zerschlagen, aber nach einiger Zeit des Marktkampfes formen sich neue private Monopole heraus. Diese neuen Monopole werden ihre Angebote immer mehr vereinheitlichen, von einer neuen Vielfalt kann dann keine Rede mehr sein. Es haben - überspitzt formuliert - innerhalb einiger Jahrzehnte bloß die EigentümerInnen gewechselt und damit die Taschen, in welche die Profite fließen. Ähnlich verhält es sich mit den Preisen. In der ersten Phase der Liberalisierung sinken die Preise durch den Konkurrenzkampf, den die staatliche Posttelegrafie nicht kannte. Mitunter werden auch Dumpingpreise angewendet. Das können natürlich nur die kapitalstärksten Unternehmen durchhalten. Sie gewinnen mittelfristig die Preisschlacht, andere KonkurrentInnen verschwinden damit wieder vom Markt. Übrig bleiben pro Region ein Konglomerat von Firmen, die dann auch in der Preisgestaltung relativ freie Hand haben. Abgesehen davon sind die Preise langfristig natürlich von der Produktivität abhängig. Eine Untersuchung der Weltbank - der man wahrlich keine Sympathie für die Staatsmonopole unterstellen kann - zeigt, daß die Kosten der Ferngespräche am stärksten in der Zeit von 1930 bis 1960 fielen, als von Liberalisierung des Telekom-Marktes noch keine Rede sein konnte. Ist das nicht interessant? Mehr Demokratie? Bewirkt die Informationsgesellschaft ein Ende von Vorurteilen, ein neues, erweitertes Bewußtsein der Massen durch ein mehr an Wissen? So könnte man meinen. Aber auch hier schlägt die Konzentration des Kapitals der angeblichen neuen Medienvielfalt aufs Haupt. Die Telekabel-BetreiberInnen steigen in den Telefon-Bereich ein und umgekehrt verbinden sich Telekom-Gesellschaften mit TV-Konzernen mit Blickrichtung digitales TV etc. Die größten Konglomerate in diese Richtung: * Rupert Murdochs News Corporation: Neben Boulevardzeitungen (z.B. Sun) und Zeitschriften besitzt er die Rechte auf Fußball-Übertragungen in Britannien und den USA, sowie TV-Satelliten, TV-Kabelgesellschaften (Fox) und Filmstudios (20th Cent. Fox). In Deutschland gehören ihm 49% von VOX. In Europa hat sich Murdoch mit Bertelsmann alliiert, der wiederum massiv in die TV-Branche eingestiegen ist. * Der Hollywood-Riese Walt Disney (WD) Company hat sich 1995 mit der TV-Gesellschaft CapitalCities/ABC verflochten, wodurch die WD-Spiel- und Zeichentrickfilme in den USA auch über das entsprechende Vertriebsnetz verfügen. 1996 verband sich WD auch mit dem französischen Medienkonzern Canal Plus, der wiederum gemeinsam mit Murdoch und Bertelsmann einen gemeinsamen Pay-TV-Canal betreibt (Newco). * Time Warner kontrolliert nicht nur 27 Magazine (Time, Life etc.), sondern v.a. die Warner Brothers Film- und Fernsehstudios, diverse TV- und Kabelgesellschaften (darunter den Pay-TV-Kanal HBO, Cinemax, Court TV und Comedy Central in den USA). In Deutschland ist Time Warner an NTV und Viva beteiligt. 1995 hat er Ted Turners CNN dazugekauft, um für seine Produktionen einen breiteren Vertrieb zu garantieren. * Leo Kirch hat von dem US-Konglomerat Viacom (Sumner Redstone) das Hollywood-Studio Paramount Pictures gekauft, nachdem er schon vorher Anteile des Hollywood-Studios Columbia Tristar erworben hatte. Ebenso verband er sich mit dem deutschen Alternativ-Netz Vebacom und dem Handelsriesen Metro, die Vertrieb, Abrechnung und Vermarktung seines Decoders d-box durchführen. Andere Kirch-Töchter sind DSF, MTV und VH-1, sowie der Kinderkanal Nikelodeon. Im Sommer 1997 fusionierten Kirch und Bertelsmann ihre digitalen TV-Ambitionen. Auch die deutsche Telekom wird miteingebunden. Telekom, CLT/Ufa und Kirch sollen je ein Drittel der Anteile an der Kirch-Firma Beta Research übernehmen, die den Digital-Decoder d-box entwickelt hat. Telekom, die auch der größte Kabelnetz-Betreiber Deutschlands ist, kündigte an, daß ab Oktober digitale Programme in das Kabelnetz eingespeist werden würden. Die Entwicklung ist unübersichtlich und in ständiger Bewegung. In Summe ist es ein gigantischer Konzentrationsprozeß, der bisher getrennte industrielle und Dienstleistungsbereiche umfaßt, insbesondere die Unterhaltungs- und Nachrichtenproduktion (Infotainment), die TV- und KabelbetreiberInnen (elektronischer Vertrieb), die AusrüstungserzeugerInnen (Alcatel, Motorola, AT&T, Siemens, Ericsson, NEC, Nokia etc.), Computer- und SoftwareproduzentInnen (IBM, Microsoft etc.) und die Telekom-Konsortien (AT&T, Atlas, Phönix, Concert etc.). Die Kapitalkonzentration in diesem Bereich ist sicher kein Garant für die Demokratisierung der Welt. Ganz im Gegenteil, immer weniger Mega-KapitalistInnen beherrschen immer weitere Teile der gesamten Kultur- und Informationsbranche, von der Erzeugung der Produkte über deren globale Verteilung bis zum individuellen Empfang. Die Art der Informationen, der Unterhaltung und der Kultur, die in diesen Mega-Systemen transportiert werden, widerspiegeln zwangsläufig die Interessen der herrschenden Klasse und sonst nichts. Die milliardenfache Verknüpfung und Kommunikation von Menschen aus allen Erdteilen miteinander erzeugt noch kein internationalistisches Bewußtsein, wenn die Inhalte der Kommunikation von der herrschenden Klasse diktiert werden. Das Bewußtsein ist nach wie vor der Ausdruck der ökonomischen Verhältnisse. Das Bewußtsein der ArbeiterInnenklasse ist geprägt durch die Realität als besitzlose Klasse wie durch die Produktionsverhältnisse: ArbeiterInnen tauschen mit den UnternehmerInnen gleichberechtigt Arbeitskraft gegen Lohn. Es bleibt die Aufgabe der revolutionären Partei, auf diesen ungleichen Tausch aufmerksam zu machen (die UnternehmerInnen eignen sich den von den ArbeiterInnen geschaffenen Mehrwert unentgeltlich an). Es bleibt die Aufgabe der revolutionären Partei, die ArbeiterInnenklasse politisch von der Bourgeoisie zu lösen und mit den ArbeiterInnen aller Länder zu verbinden. Diese Aufgabe wird weder das digitale Fernsehen noch andere Eigenheiten der Informationsgesellschaft simultan lösen. Die herrschenden Klassen sind nach wie vor national gebunden und sie sind nur so kosmopolitisch wie ihre jeweiligen Wirtschaftsinteressen dies nahelegen. Sobald große nationale Bourgeoisien nationale oder rassische Gegensätze für ihre Interessen ausnützen wollen, werden sie dies auch über die neuen Telekommunikationstechnologien tun. Die angeblich so neue Informationsgesellschaft erweist sich also lediglich als Variante der alten kapitalistischen Gesellschaft. Neuer Boom durch die Kommunikationsbranche? Mitunter wird die These vertreten, die Kommunikationsbranche könne in Hinkunft einen neuen langen Wirtschaftsboom auslösen - von ähnlicher Kraft wie der Nachkriegsboom von 1950 bis 1973. Doch das ist ebenfalls ein bürgerlicher Traum. Die Investitionssummen sind zwar tatsächlich riesig, sie sind jedoch viel zu gering, um auch nur annähernd die weltweite Massenarbeitslosigkeit abbauen zu können. Vor allem sind dies großteils Investitionen, die bestehende Technologien und Kapitalausstattung ersetzen, aber nicht den Kapitalstock signifikant erweitern. Wenn man also die Dynamik solcher Netto-Investitionen betrachtet, so sieht man z.B. in den USA, daß deren Wachstum Anfang der 1990er Jahre sich auf dem niedrigsten Stand in der Nachkriegsperiode befand und sich jetzt gerade auf das Niveau der späten 1980er Jahre erfangen hat. Das Verhältnis zwischen Investitionssumme und Anzahl an neuen Arbeitsplätzen (und damit an Existenzbedingungen für neue ArbeiterInnen) ist inzwischen derartig in Richtung ersterer verschoben, daß auch riesigste Investitionen nur wenige neue Arbeitsplätze schaffen. Die Folge davon ist natürlich, daß die durchschnittlichen Profitraten (berechnet auf das eingesetzte Gesamtkapital) ständig sinken. Und keine neue Technologie kann diesen tendenziellen Fall der Durchschnittsprofitrate aufheben, da seine Ursache tief im Herzen der kapitalistischen Produktionsweise verborgen liegt. Die einzige Perspektive bleibt daher auch weiterhin der Klassenkampf. Nur eine proletarische Umwälzung der Gesellschaft könnte die neuen kommunikationstechnologischen Produktivkräfte in einem solchen Sinne anwenden, daß ihr kreatives Potential wirklich den Menschen zu Gute käme. Der Kapitalismus wird es immer für die Ausbeutung und Verdummung der Menschen einsetzen und es letztlich vergeuden. Und die Chancen für einen Aufschwung des Klassenkampfes in der Telekomindustrie sind in Wirklichkeit gut. Denn diese ArbeiterInnen müssen nicht eine niedergehende Branche vor dem Zusperren schützen (wie etwa die Kumpel der Bergwerke in Europa und den USA). Nein, das Kapital, das beachtliche Summen in die Telekommunikation investierte, ist hier empfindlich verwundbar. Auch und gerade weil die Investitionen weniger Arbeitsplätze als eine Ausweitung der Anlagen bewirkte. Stehen diese still - etwa in Folge eines Streiks - kostet der Ausfall die UnternehmerInnen Unsummen an Geld. Die ArbeiterInnen dieser Branch sind gut ausgebildet, ihr Wissen kann nicht ohne weiteres (z.B. durch StreikbrecherInnen) ersetzt werden. Das sind gute Voraussetzungen. In den USA streikte die Belegschaft des Telefonkonzernes NYNEX 1989 monatelang; immerhin endete der Streik mit einen Kompromiß - und nicht mit der Umsetzung des Pläne der Konzernleitung (über die Ausgangslage und Fehler der Streikführung schrieben wir in unserem theoretischen Organ Revolutionärer Marxismus Nr. 20). In Frankreich zwang ein Streik von ¾ der 150.000 Beschäftigten von France Telecom 1993 die Regierung Juppé, von ihrem Plan, den rechtlichen Status des Unternehmens zu verändern (analog unserer Ausgliederung), Abstand zu nehmen. Auch 1995 sprachen sich die Gewerkschaften erneut gegen Privatisierung aus. Die Regierung konnte sich wieder nicht durchsetzen. Die Beschäftigten behielten ihren Beamten-Status und die damit verbundenen Sicherheiten bezüglich Anstellung, Lohnerhöhung und Karriere. Nun geht der Klassenkampf in eine neue Runde, da die pseudo-sozialistische Regierung Jospin France Telecom der Börse in den Rachen wirft. Für eine Verbindung des Abwehrkampfes der österreichischen PTA-Bediensteten und der französischen KollegInnen! Für eine Globalisierung des Klassenkampfes! |