| abc des Marxismus: Luxemburg Rosa Luxemburg war eine der großen revolutionären SozialistInnen des 20. Jahrhunderts. Sie setzte sich für den Internationalismus und gegen den imperialistischen Krieg ein und begeisterte sich für die revolutionäre Aktivität der ArbeiterInnenklasse im Gegensatz zur bürokratischen Führung, die die ArbeiterInnenklasse verriet. All jene, die die Errungenschaften der russischen Revolution schnell abtun wollen und dabei die Notwendigkeit einer revolutionäre Partei verleugnen, berufen sich als Rechtfertigung oft auf Rosa Luxemburgs Werk. Aber sie haben unrecht. 1871 in Polen geboren, war Luxemburg seit früher Jugend eine Kämpferin gegen Unterdrückung. Als Polin und Jüdin wurde sie im russischen Reich doppelt diskriminiert. Nach Jahren der Untergrundarbeit gipfelte ihre Arbeit 1894 in der Gründung der Sozialdemokratischen Partei Polens und Litauens. 1897 ging Luxemburg nach Deutschland, um in der wachsenden deutschen Sozialdemokratischen Partei zu arbeiten. Sie erarbeitete sich mit ihren Schriften über die Nationalökonomie und ihrer Einmischung in die Debatte über die polnische nationale Frage einen Ruf als innovative marxistische Intellektuelle. Luxemburg führte später mit Lenin und anderen bolschewistischen Führern eine scharfe Diskussion über die Frage ihrer ökonomischen Krisentheorie. Ebenso kritisierten jene, daß Luxemburg es ablehnte, das polnische Selbstbestimmungsrecht zu unterstützen. Aber Luxemburgs größter Beitrag zum Marximus stand noch aus. 1898 veröffentlichte Eduard Bernstein, ein Führer der SPD, ein Manifest, in welchem er für einen reformistischen Weg zum Sozialismus eintrat. Luxemburgs Pamphlet Reform oder Revolution erhob einen heftigen Protestschrei gegen Bernsteins Ideen. Sie zeigte, daß seine Idee der allmählichen Reform und sein Opportunismus, sich an das kapitalistische System anzupassen, die ganze Existenz einer sozialistischen Partei in Frage stellte. Luxemburg griff auch das schwankende Zentrum der SPD an, dessen Führer Karl Kautsky eine versöhnlerische Meinung zum Opportunismus entwickelt hatte. Nach der russischen Revolution von 1905 diskutierte die SPD die Bedeutung der Massenstreiks. Die deutschen Gewerkschaften lehnten eine Diskussion über den Massenstreik ab, da dieser ein Spiel mit dem Feuer sei. In einer geheimen Abmachung vereinbarte die SPD-Führung, nicht gegen die Gewerkschaften aufzutreten. 1906 veröffentlichte Luxemburg ihre Schrift Der Massenstreik, die politische Partei und die Gewerkschaften, eine Polemik auf die Gewerkschaftsbürokratie, die jedwede spontane revolutionäre Aktivität der ArbeiterInnenklasse im Keim zu ersticken versuchte. Sie zeigte auf, daß der Massenstreik und die Revolution untrennbar miteinander verbunden sind und daß die Sozialdemokratie auf der Höhe der revolutionären Periode zur politischen Führerschaft aufgerufen ist. Luxemburg stellte die Sponanität der Massen der konservativen Politik der Gewerkschaftsbürokratie gegenüber. Diese Gegenüberstellung, so schrieb Leo Trotzki später, hatte einen durch und durch revolutionären und fortschrittlichen Charakter. Jedoch enthielt ihre Parteiaufbautheorie auch einige Schwächen. Es ist daher nicht überraschend, daß heutige KritikerInnen des Bolschewismus gerade aus diesem Grund ihre Politik so attraktiv finden. Zwar erkannte Luxemburg die Wichtigkeit einer revolutionären Partei, doch ihre Betonung der Spontanität der ArbeiterInnenklasse hatte zur Folge, daß sie die Notwendigkeit einer Kampfpartei, wie jener der Bolschewiki, nicht einsah. Sie bekämpfte zwar den rechten Flügel der SPD, fand es aber nicht nötig, den linken zu einer Fraktion zu organisieren, um ihn von der Führung wegzubrechen, bis es schließlich zu spät war. 1914, beim Ausbruch des ersten Weltkriegs, stand Luxemburg beinahe alleine gegen die SPD, die den imperialistischen Krieg unterstützte. Daraufhin brandmarkte sie die SPD als einen stinkenden Leichnam. Gemeinsam mit Karl Liebknecht, Franz Mehring und Klara Zetkin begann sie den internationalistischen Flügel der SPD gegen den Krieg zu organisieren. Luxemburg begrüßte die russische Revolution von 1917. Die VerleumderInnen Lenins greifen zwar Luxemburgs Kritik auf, vergessen dabei aber, daß sie darauf beharrt hatte, daß der bolschewistische Aufstand die Ehrenrettung des internationalen Sozialismus war. Im November 1918 brachen die deutschen Kriegsanstrengungen zusammen: Die Truppen begannen zu meutern, ArbeiterInnen- und SoldatInnenräte wurden gebildet. Die SPD wurde zur Machtübernahme vorwärts getrieben. Die Massen waren entschlossen, ein revolutionäres Ende herbeizuführen. Luxemburg und Liebknecht initiierten die Die Rote Fahne, die Zeitung des zuvor gegründeten Spartakusbundes. Mithilfe ihres brillianten sarkastischen Stils rief sie die Massen zur Revolution auf: Es gibt nur die Wahl zwischen der Fortführung des Kapitalismus, neuen Kriegen und ein baldiges Abgleiten in Chaos und Anarchie oder die Abschaffung der kapitalistischen Ausbeutung selbst. Im Dezember 1918 gründete Luxemburg die Deutsche Kommunstische Partei (KPD). Doch schon im Jänner 1919 wurde die KPD zu einem frühreifen Aufstand provoziert. Nachdem die junge und unerfahrene Mitgliedschaft dazu aufgerufen wurde, den Aufstand nicht zu starten, standen Luxemburg und Liebknecht ihm machtlos gegenüber. Der Aufstand wurde niedergeschlagen. Ihm folgte eine massive Hetzkampagne gegen Luxemburg. Man setzte 100.000 Mark Kopfgeld auf sie aus. Noske und Scheidemann, die Führer der SPD, befehligten rechtsgerichtete paramilitärische Truppen, sie festzunehmen. Am 15. Jänner 1919 wurden Liebknecht und Luxemburg gefangengenommen. Luxemburgs Kopf wurde mit einem Gewehrkolben zerschmettert. Die Leichen Luxemburgs und Liebknechts warf man in den Landwehrkanal. Die rote Rosa war tot. Rosa Luxemburg sollte als eine der größten RevolutionärInnen in Erinnerung bleiben. Klara Zetkin, eine Genossin und enge Freundin, schrieb in ihren Memoiren: Sie war das scharfe Schwert, das lodernde Feuer der Revolution. |