| abc des Marxismus: Historischer Materialismus Geschichte hat viele Gesichter. Eines davon ist jenes, welches wir in der Schule kennenlernen. Es ist ein Geschichtsbild der Herrschenden und dreht sich demnach auch wesentlich um Mächtige. Diesem Verständnis zufolge dreht sich die gesamte Menschheitsgeschichte um die Handlung jenes Kaisers oder jener Königin. Am Schluß des Geschichteunterrichtes bleibt das offen, was Brecht trefflich mit soviele Fragen und so wenige Antworten beschrieb. Daß es auch etwas anderes gibt, zeigt uns ein Blick auf das marxistische Geschichtsverständnis, den historischen Materialismus. Der Urkommunismus und der Weg in die Klassengesellschaft Parallel zur Menschwerdung entstand die Urgesellschaft, in der es weder Eigentum noch Staat gab. Die Menschen waren während des gesamten Tages damit beschäftigt, Nahrung zu suchen und konnten sich den Luxus Staat, d.h. das Durchfüttern von unproduktiven Teilen der Gesellschaft nicht leisten. Weiters gab es auch keinen Grund, einen solchen zu haben, da keine Vorrechte von irgendjemandem beschützt werden sollten, noch Eigentum vorhanden war. Auch die Frauenunterdrückung gab es zu jenem Zeitpunkt nicht. Alles hat ein Ende Und so verhält es sich auch mit der SklavenhalterInnengesellschaft. Während sie am Anfang einen Fortschritt darstellte - noch heute sind die römischen und griechischen Tempel, Bauten und ihre Kultur ein Zeugnis der Entwicklung -, hatte auch diese Gesellschaftsformation einen Kulminationspunkt, ab welchem sie nicht mehr fähig war, die Produktivkräfte weiter zu entwickeln. Die Produktionsverhältnisse schlugen in Fesseln der Produktivkraftentwicklung um. Diese Entwicklung begründete sich auf der Tatsache, daß SklavInnen in antiken Großbetrieben, Bergwerken und Latifundien zwar mittels der Peitsche zu überlangen Arbeitszeiten gezwungen werden konnten, sie jedoch deswegen noch nicht produktiver wurden. Die Folge dessen waren schwere gesellschaftliche Krisen, Kriege, Völkerwanderungen und große Sklavenaufstände, die schließlich über Jahrhunderte hinweg zum Ende dieser Gesellschaftsformation führten. Der Feudalismus Die Feudalgesellschaft war also die Antwort auf die Krise der Produktivkräfte am Ende der SlavenhalterInnengesellschaft. Was blieb war der Klassengegensatz. Auf der einen Seite die Feudalherren und auf der anderen Seite die hörigen und leibeigenen Bauern. Letztere konnten im Gegensatz zu den SklavInnen bereits selbst Produktionsmittel besitzen. Dies galt natürlich auch für die HandwerkerInnen in den Städten. Aus diesem Fakt heraus waren die HandwerkerInnen und BäuerInnen bis zu einem gewissen Grad an einer Produktivkraftentwicklung interessiert. Hinter diesen Mauern und Gräben (der Städte, d.A.) entwickelten sich - zunft-bürgerlich und kleinlich genug - das mittelalterliche Handwerk, sammelten sich die ersten Kapitalisten an, entsprang das Bedürfnis des Verkehrs der Städte untereinander und mit der übrigen Welt, und, mit dem Bedürfnis, allmählich auch die Mittel, diesen Verkehr zu schützen.(MEW, Bd.21, S.392) So wurde der Feudaladel immer überflüssiger und letztlich hinderlich. Die StadtbürgerInnen wurden wiederum jene Klasse, in welcher sich die Fortentwicklung der Produktion, der sozialen und politischen Institutionen und der Bildung verkörpert fanden. Die Waffe der BürgerInnen gegen den Feudalismus war - das Geld. Das Geld war der große politische Gleichmachungshobel der Bürgerschaft. Überall, wo ein persönliches Verhältnis durch ein Geldverhältnis, eine Naturalleistung durch eine Geldleistung verdrängt wurde, da trat ein bürgerliches Verhältnis an die Stelle eines feudalen.(ebd., S.394) Kapitalismus Aber auch andere Sprünge fanden statt, die schlußendlich mittels der bürgerlichen Revolution zu der Gesellschaftsformation führten, in welcher wir heute leben: dem Kapitalismus. Einer jener wesentlichen Entwicklungen war die Transformation in der Produktion: Der Übergang vom einfachen Produktionszyklus (Ware - Geld - Ware) hin zu einem kapitalistischen Produktionszyklus (Geld - Ware - Geld). Die Warenproduktion wurde zur vorherrschenden Produktionsweise und die Akkumulation von Kapital zum Motor der Wirtschaft. |