Postmoderne Kunst

Postmoderne Kunst behauptet, ein Bruch mit der Moderne in der Kunst zu sein. Die Datierung dieses Bruches ist extrem ungenau und schwankt, je nach Autor, zwischen dem Ende des 19. Jahrhunderts und den frühen 1980er Jahren. Die Liste der dazugerechneten Künstler umfaßt beispielsweise den Maler Andy Warhol, den Komponisten Michael Nyman (der die Musik zu Peter Greenaway Filmen schrieb), den Romanautor Salman Rushdie und verschiedene ArchitektInnen, die für Bauwerke verantwortlich sind, die zu Symbolen des “Postmodernismus” wurden (z.B. das Centre Pompidou in Paris).
Um zu erklären, worin die Unterschiede zwischen moderner und postmoderner Kunst liegen, können wir zwei berühmte Bilder vergleichen: Edvard Munch´s “Der Schrei” und Andy Warhol´s “Marilyn”.
“Der Schrei” ist ein malerischer Ausdruck der extremen Angst eines Individuums. Es zeigt die Entfremdung und Isolation dieses Individuums. Es ist Ausdruck des Leidens und mobilisiert dieses Gefühl beim Betrachter. Das Gemälde ist offensichtlich “geschaffen worden” und zwar von einem Künstler. Dieser Künstler besitzt eine Subjektivität, die er dem Betrachter im Bild mitteilt. Das Bild ist daher offen für die Interpretation durch den Betrachter, ja es lädt ihn dazu ein, die eigene Subjektivität zu verwenden. “Der Schrei” ist ein Produkt der Hochkultur und hat nie etwas anderes sein wollen.
Die Bilderserie “Marilyn” zeigt das Gesicht einer weltweit bekannten Frau; einer Frau die viel Angst hatte, wie ebenfalls jeder weiß. Doch diese Tatsache wird hier ironisiert, im Bild scheint sie, wie in der medialen Wirklichkeit, dem Leiden gegenüber gleichgültig zu sein. Die farblichen Variationen vermitteln eine soziale Fragmentierung, die aber unmittelbar formal objektiv ist. Das Bildnis präsentiert sich nicht als von einem Künstler geschaffen, es wurde aus vorgefundenem Material (Foto) gemacht. Es steht kein Subjekt (und daher keine Subjektivität) hinter dem Kunstwerk, es gibt daher keine Einladung zu einer Interpretation. “What you see is what you get”. Kunst ist unauflöslich vermischt mit Pop Kultur (“popular culture”), im eigenen Selbstverständnis versteht sie sich als Element des Alltags, nicht als Privileg einer Elite.
Inwiefern sind wir als MarxistInnen “gegen” den Postmodernismus in der Malerei, der Musik oder der Literatur? Ganz einfach, wir sind gar nicht dagegen.
Der Marxismus hat keine Parteilinie zu den Formen des künstlerischen Schaffens. Es war die Tradition des Stalinismus, die im Namen des “sozialistischen Realismus” die bürgerliche “Moderne” pauschal als dekadent verunglimpfte. Solche Parteiurteile sind der revolutionär-marxistischen Tradition fremd. Das bedeutet natürlich nicht, daß es keine marxistische Kunstkritik geben könnte. MarxistInnen haben immer versucht, Produkte des künstlerischen Schaffens in den Kontext des realen Klassenkampfes zu stellen. Dabei ist in etwa nach dem Prinzip zu verfahren, daß Kunst und Kultur immer Ausdruck bestimmter individueller und gesellschaftlicher Bedingungen sind, und sie daher je nach Klassenposition das Bewußtsein über den Gang der Geschichte mehr oder weniger erhellen oder verdunkeln. Doch sind solche Analysen hochkomplex und wohl niemals frei von subjektiven Wahrnehmungen. Für Lenin und Trotzki war daher Kunstkritik niemals Aufgabe der proletarischen Partei.
Bei der postmodernen Kunst stellt sich nun die Frage, warum eigentlich eine Kunstrichtung entstanden ist, die die Subjektivität verneint, die sich weigert, die Tatsache des Leidens zu reflektieren, die absolut nichts mit den ernsten Fragen des Lebens zu tun haben und auf keinen Fall mit irgendwelchen progressiven Bewegungen assoziiert werden will?
Antwort: Weil der Kapitalismus ein Stadium erreicht hat, in dem er seine eigenen Widersprüche immer weniger in ein zusammenhängendes Weltbild einordnen kann und weil die Linke auch ein Stadium erreicht hat, in dem sie vor ihren eigenen ehemaligen “Metanarrativen” (Stalinismus, Linksreformismus, Zentrismus) davonläuft. Wenn also auf der Suche nach dem Wesen hinter den Erscheinungen alle provisorischen Zusammenfassungen des Wesens widerlegt erscheinen, scheint es besser, sich an den Skeptizismus zu halten und sich vorsichtshalber in Ironie und Zynismus zu üben. Diese Flucht bietet jedoch für die ArbeiterInnenklasse keine reale Perspektive.