Klonen: Heilung oder Menschenzucht?

Kaum ein anderes Thema aus Wissenschaft und Forschung ist in den vergangenen Jahren so moralisch und heiß diskutiert worden wie die neuen Möglichkeiten in der Biotechnologie. Neben der Gentechnik (siehe ArbeiterInnenstandpunkt 121) ging es hier immer wieder um die sogenannte Stammzellenforschung und das Klonen von Lebewesen.

Genom aus dem Sack

Mit der Bekanntgabe der Vervollständigung der ersten Stufe des Human Genome Project (HUGO) machte die Wissenschaft im Verständnis eines wichtigen Teils dessen, was uns zu Menschen macht – unseren Genen, einen entscheidenden Schritt vorwärts.
Obwohl diese Entdeckung neue Horizonte für Biologie und Medizin eröffnet, bringt sie auch neuartige politische Probleme mit sich, die mit der Verteilung des Reichtums sowie der kommerziellen und sozialen Ausbeutung des gewonnenen Datenmaterials verbunden sind. Diese Probleme werden in Zukunft noch bedeutende Auswirkungen haben.
Im vergangenen Jahrhundert entdeckten drei voneinander unabhängige Studien wieder, was der mährische Mönch Gregor Mendel bereits Mitte des 19. Jahrhunderts herausgefunden hatte: viele körperliche Eigenschaften werden direkt von sogenannten Genen bestimmt. Zwischen 1900 und 1920 entwickelte sich die Genetik zu einer Wissenschaft und entdeckte, dass die Gene wie Perlen an einer Halskette an Chromosomen aufgefädelt sind. Sie kommen in jeder Zelle, in jedem Lebewesen auf der Erde vor. Woraus diese Gene zusammengesetzt waren und wie sie funktionieren, blieb aber noch ein Geheimnis.
Der entscheidende Durchbruch kam 1953, als James Watson und Francis Crick nachwiesen, dass die sogenannte Doppelhelixstruktur der Desoxyribonuk-leinsäure (DNS) jene Informationen trägt, welche notwendig sind, um Eiweiße zu erzeugen und um die Gene von Generation zu Generation weiter zu geben.
Genetische Unterschiede zwischen Individuen können zur Erzeugung unterschiedlicher Proteine führen – manche davon offensichtlich ohne große Auswirkung (wie Unterschiede in der Augen- oder Hautfarbe). Andere wiederum haben gravierende Auswirkungen (z.B. die Huntington-Chorea-Krankheit, welche zu einem Zusammenbruch des Gehirns führt). Trotz aller Medienhysterie gibt es keine Gene, die alleine komplexes Verhalten wie die menschliche Sexualität, Intelligenz oder Aggression steuern.
Im Zuge der 1990er Jahre machten es die Entwicklungen der Computertechnologie und der Molekularbiologie möglich, nicht nur die Aufschlüsselung einzelner Gene, sondern die des ganzen Genoms, anzugehen. Am Anfang standen kleinere Projekte wie die Aufschlüsselung der Genome zweier ‘Modell’organismen, eines Wurms und einer Fliege. Aber der heilige Gral dieser neuen Wissenschaft blieb das menschliche Genom.
Zwei konkurrierende Institutionen begannen ungefähr zur gleichen Zeit damit – eine öffentliche und eine private. Das öffentlich finanzierte Projekt – HUGO, welches 1990 begann und internationale WissenschafterInnen beteiligte – entschied sich dafür, systematisch vorzugehen und ganze DNS-Stränge aufzuschlüsseln.
Das private Unternehmen Celera, das 1995 von Craig Venter – dem Möchtegern-Bill-Gates der Biotechnologie – gegründet wurde, entschlüsselte Millionen DNS-Stückchen gleichzeitig und benutzte dann Computer, um zu sehen, wie diese zusammen passen. Sein einfaches und unverschämtes Ziel ist es, in kürzester Zeit den großen Reibach mit dem menschlichen Genom zu machen.
Nach einer Reihe von urheberrechtlichen Auseinandersetzungen – das Material, das von den öffentlichen Labors erzeugt wurde, ist frei verfügbar, während Venter die Menschen dafür zahlen lassen wollte, welche die Celera-Sequenzen sehen wollten – wurde eine vorübergehende Übereinkunft getroffen.
Zusammen haben die beiden Projekte etwa 90% des menschlichen Genoms, das aus ungefähr 3,5 Milliarden “Buchstaben” besteht, entschlüsselt. Andererseits müssen die restlichen 10% noch entschlüsselt werden. Die WissenschafterInnen haben keine Ahnung, wie die Millionen Einzelteile zusammenpassen, und, was noch bedeutsamer ist, wie viele Gene es überhaupt gibt.
Am Genom-Projekt beteiligte WissenschafterInnen haben eine Wette über deren genaue Anzahl gestartet. Wetten werden im Bereich von 25.000 bis 130.000 angenommen. Wir wissen bereits, dass 95% des Genoms überhaupt nicht aus Genen bestehen, sondern aus “Schrott”-DNS, der, im Augenblick, keine bestimmte Funktion zugewiesen werden kann.
Gegenwärtig haben wir also die meisten Stücke eines Puzzles, ohne zu wissen, wie viele es genau sind, wie sie zusammen passen, oder was für ein Bild sie überhaupt ergeben. Zu guter Letzt ist der größte Teil davon auch noch völlig überflüssig.
Einfach nur die Abfolge der Gene zu studieren, gibt uns noch keinen Schimmer davon, wie ein Organismus aussieht oder funktioniert. Selbst wenn wir alle Gene in einem Ei ‘lesen’ könnten, würden wir dann wissen, dass ein Gockel Kikeriki schreit?
Während des gesamten Lebens eines Organismus gibt es Wechselwirkungen der Gene untereinander und mit der Umwelt. Gene sind kein Schicksal, aber sie sind Grundlage allen Lebens, insbesondere des menschlichen!
Die großen Versprechungen von PolitikerInnen, JournalistInnen und mit weniger Skrupeln behafteten WissenschafterInnen lauten, dass der Entschlüsselung des Genoms die Entwicklung von neuen Medikamenten folgen wird, die einen großen Beitrag zur öffentlichen Gesundheit leisten werden. Das ist, im besten Fall, naiver Optimismus.
Einige Störungen sind tatsächlich das Ergebnis von Gendefekten, wobei ihr konkretes Erscheinungsbild von Umwelteinflüssen abhängig sein kann. Wenn einmal eine sichere und effektive Methode gefunden wird, defekte Gene und Proteine zu ersetzen, sollte es möglich, sein viele dieser Störungen zu heilen.
Auch wenn das zweifellos zahlreiche Leiden lindern würde, so sind diese Krankheiten doch, verglichen mit den großen ‘Seuchen’, wie Masern, sehr selten. Selbst wenn angenommen wird, dass diese komplizierten Technologien massenhafte Anwendung, auch in den Halbkolonien (der “Dritten Welt“) finden, so wären trotzdem nur ungefähr eine Million Menschen NutznießerInnen davon.
An den meisten Krankheiten ist die Genetik in dem Sinn beteiligt, dass Menschen mit einer entsprechenden genetischen Veranlagung leichter an ihnen erkranken. Aber nur selten ist das Zusammenspiel zwischen dem Ausbruch einer Krankheit und der genetischen Verfassung so direkt, dass effektive Medikamente oder Gentherapien hervorgebracht werden könnten.
Wenn das Retten und die Verbesserung des Lebens aller Menschen wirklich im Vordergrund steht, tut sich ein völlig anderer Blickwinkel auf. Die schlimmsten weltweiten Seuchen betreffen vor allem Kinder. Ihre Ursache sind nicht genetischen Störungen, sondern Masern und Diarrhöe, verursacht durch verschmutztes Trinkwasser.
Diese Menschenleben zu retten, ist kein wissenschaftliches, sondern ein politisches Problem. Das Geld, dass für HUGO ausgegeben wurde, hätte ausgereicht, jede Familie weltweit mit frischem Trinkwasser zu versorgen und die Impfung aller Kinder gegen Masern sicherzustellen. Die Entscheidung der wichtigsten imperialistischen Regierungen, es stattdessen in das Genomprojekt – und noch weit höhere Summen in die Entwicklung riesiger Waffenarsenale – zu stecken, bleibt der große Betrug hinter der Euphorie für die neue Technik.
Die Entschlüsselung des menschlichen Genoms im gegenwärtigen Profitsystem, bringt zwei miteinander verbundene große Gefahren mit sich: Ausbeutung und Diskriminierung.
Es gibt für die Konzerne drei Arten, die DNS in Dollars zu verwandeln:
* die Entwicklung neuer Medikamente,
* die Patentierung von Genen,
* und die Entwicklung diagnostischer Tests.

Risiken

Die größte Gefahr erwächst aus dem Verlangen der KapitalistInnen, Gene zu patentieren. Ursprünglich von den US- und EU-Regierungen unterstützt, hoffen sie und gierige WissenschafterInnen darauf, jede beliebige Gensequenz patentieren zu können – auch ohne zu wissen, was ihre Aufgabe ist!
1998 widersprach der französische Premier der Patentierung von Genen und wurde bald darauf von Clinton und Blair unterstützt. Im Juni 2000 erklärten die G8-ForschungsministerInnen, dass nur Gene patentiert werden können, deren Funktion nachvollziehbar ist.
Aber diese halbherzige Position hat wenig Aussicht auf Erfolg, nicht zuletzt weil es keine Anzeichen gibt, dass irgend eine der wichtigen imperialistischen Regierungen bereit oder fähig wäre, sich den großen Biotechnologiekonzernen in den Weg zu stellen, abgesehen davon, dass die Vorschrift, eine “Genfunktion” festzustellen, viele verschiedene Auslegungen zulässt. Gene haben unter unterschiedlichen Bedingungen verschiedene Aufgaben; ein Patent könnte also schon auf der Grundlage vergeben werden, dass herausgefunden wird, welches Protein es kodiert – eine Aufgabe, die auch ein vifer Zweitklassler lösen könnte.
Die KapitalistInnen wollen uns nicht nur für Produkte, deren Ausgangspunkt, die Gene, wir alle in uns tragen, zahlen lassen. Sie entfesseln auch ein Programm, das zu einer “schönen neuen Welt”, gekennzeichnet durch ein Ausmaß an Diskriminierung, wie wir es seit Hitlers Deutschland nicht mehr gesehen haben, führen könnte.
Durch die Verbreitung der Lüge, dass Gene das Schicksal vorherbestimmen und durch die Betonung der Möglichkeit, dass Gene die Gesundheit beeinflussen, hoffen die Unternehmen, große Summen mit Tests zu verdienen, welche die Anwesenheit bestimmter Gene anzeigen. Versicherungsgesellschaften könnten ihre Prämien ihrer KundInnen entsprechend bestimmter Gene verändern. Personalchefs könnten ihre Angestellten nach ihrer genetischen Verfassung auswählen. Krankenversicherungen könnten von PatientInnen mehr verlangen, wenn ihre Behandlung durch genetische Einflüsse erschwert wird.
Diese Möglichkeiten bestehen und sie würden, einmal verwirklicht, eine gespaltenere Bevölkerung verursachen, der es schwerer fällt zurück zu schlagen. Die weltweite ArbeiterInnenbewegung muss sich allen Versuchen der Patentierung von Genen und ihrer Produkte entgegenstemmen. Das erfordert den Kampf für die Enteignung der Pharma- und Biotechnologieindustrie unter ArbeiterInnenkontrolle.
Wir müssen gegen die Versuche mobilisieren, genetische Tests einzuführen. Und wir müssen ideologisch die gegenwärtige Tendenz bekämpfen, die behauptet, dass wir SklavInnen unserer Gene sind. Unsere Umwelt im weitesten Sinne und unsere Geschichte spielen die grundlegende Rolle bei dem, was uns zu Menschen macht.
So wie alle wissenschaftlichen Errungenschaften eröffnet auch die Entschlüsselung des menschlichen Genoms sowohl riesige Möglichkeiten als auch furchtbare Gefahren. Die Kontrolle darüber kann nicht in den Händen von Regierungen belassen werden. Dafür sind unsere Gene zu wichtig! Nur die WeltarbeiterInnenklasse kann sicherstellen, dass dieses Wissen zugunsten der gesamten Menschheit eine sichere Anwendung findet.

Lebensborn e.V.

Geht es nach einer amerikanischen Sekte, den RaelianerInnen, so erleben wir schon bald die Verwirklichung der Schreckensvisionen, die Aldous Huxley in seinem Buch “Schöne neue Welt” beschrieben hat: Die vollständige Produktion von Föten in Reagenzgläsern zu Zwecken der Menschenzucht. Die RaelianerInnen träumen von einem künstlichen Mutterleib, denn dieser käme ihrer Vorstellung von der Schöpfung des Menschen nahe. Mit dem Führer Rael als quasi dem lieben Gott höchstpersönlich.
Derlei Ideen vom “Übermenschen”, der seine natürliche, verletzbare Hülle abstreift, sind nicht neu. Die Rechte griff immer wieder gerne auf Nietzsches dahingehende Philosophie zurück und schuf die Ideologie vom rassisch und erblich überlegenen Menschen.
Nur dort wo der “strahlend-blonde Arier” sein Unwesen treibt, muss es auch immer den “Untermenschen”, der nur zur Ausbeutung bestimmt ist, geben. Die ungeheuerlichen Gräueltaten des Nationalsozialismus, die mit dieser Ideologie gerechtfertigt wurden, sind weitgehend bekannt.
Die Kehrseite dieser Medaille waren die weniger bekannten Menschenzuchtprogramme der Nazis. Das Lieblingsprojekt des Reichsführers SS, Heinrich Himmler, war Lebensborn e.V. Himmler gründete diesen SS-Verein 1935 mit “rassischen” und bevölkerungspolitischen Zielsetzungen. Ziel laut Satzung: “Kampf gegen die Abtreibung und eine Erhöhung der Geburtenrate zur Stärkung der Wehrkraft”. Ganz nebenher sollte eine neue “nordisch-arische Rasse” herangezogen werden. In ganz Deutschland, später auch in Österreich sowie Norwegen, Belgien und Frankreich wurden Lebensbornheime gegründet. Die Gebäude wurden JüdInnen enteignet oder waren Schenkungen von treuen NSDAP-Mitgliedern. In ihnen wurden verheiratete und ledige Schwangere und Mütter aufgenommen. Diese Frauen mussten neben der arischen Herkunft mindestens bis zu den Großeltern bestimmte “Rassekriterien” erfüllen (z.B. groß, blauäugig) und diese bei der Verwaltung des Lebensborn e.V. nachweisen. So sollte die Geburtenrate der SS nach oben getrieben werden. Bei einer Zusage konnte die Frau inkognito, auf Wunsch auch weit weg vom Heimatort, die gesamte Schwangerschaft bis einige Wochen nach der Geburt des Kindes in einem Lebensbornheim verbringen. Ob verheiratet oder alleinstehend, den Müttern ging es in den Lebensbornheimen auch während des Krieges vergleichsweise gut: Ein- oder Zweibettzimmer, Vollwertkost. Stillen war oberstes Gebot.
Die Väter waren meist Angehörige der SS, welche die selben “rassischen” Eigenschaften wie die Mütter zu erfüllen hatten. Die Finanzierung des Vereins erfolgte über Steuern der SS-Angehörigen. Kinderlose SS-Angehörige mussten die größten Abgaben leisten. Insgesamt wurden in den Lebensborn-Heimen ca. 8.000 Kinder geboren.
Wären den Nazis die heutigen wissenschaftlichen Methoden zur Verfügung gestanden, so kann davon ausgegangen werden, dass sie diese für ihre Menschenzuchtprogramme genützt hätten. Aber auch das Kapital steht ihnen nicht wirklich nach.

Klonen

Während in den USA und Britannien in privaten Labors und Universitäten das Klonen von tierischen und menschlichen Zellen in vollem Gange ist, wurde im deutschen Bundestag kürzlich ein “Embryonenschutzgesetz” verabschiedet, welches das Klonen generell verbietet. Geht es nach den deutschen Abgeordneten, so soll dieses Verbot international ausgeweitet werden. Eher früher als später steht also auch in Österreich eine diesbezügliche Entscheidungen an.
Im medizinischen Lexikon wird “klonieren” so definiert: “Aufzucht einer Zellkultur, die sich von einer einzelnen, genotypisch definierten Zelle herleitet; Vervielfachung mit dem Ergebnis identischer Organismen”. Ein Klon ist demnach ein Lebewesen, das sich mit einem anderen ein völlig gleiches Erbgut (Genom) teilt. Fast jeder hat zu Hause schon Klone produziert. Wenn eine Kartoffel bei entsprechender Temperatur einige Zeit lagert, treibt sie aus. Diese junge Pflanze ist genetisch mit der Pflanze deckungsgleich, an der die Kartoffel vorher gewachsen ist, sprich ein Klon.
Tatsächlich vermehren sich die meisten einfachen Lebewesen, seien es nun Bakterien, Hefepilze oder Ausläufer bildende Pflanzen vegetativ, d.h. durch Klone. Nur Tiere und Menschen vermehren sich ausschließlich sexuell. Das hat den Vorteil, dass in jeder Generation das Erbgut neu durchmischt wird. Veränderungen und Anpassungen an die Umwelt sind so besser möglich. Trotzdem können auch bei Tier und Mensch, meist als Ausnahme, Klone in Form von eineiigen Zwillingen auftreten.
Neu ist also nicht das Klonen, sondern nur die Technologie, die es erlaubt, Tiere und Menschen künstlich zu klonen. Diese Technologie macht gleichzeitig vieles möglich: von der Entwicklung menschlicher “Ersatzteile”, die nicht abgestoßen werden und der Heilung von Krankheiten wie Parkinson und Alzheimer bis hin zu grauenhaften Albträumen von Menschenzucht und blonden ArierInnen, welche die Welt bevölkern.
Was WissenschafterInnen bisher geschafft haben, ist weniger spektakulär und trug den Namen Dolly. Dolly war das erste Klonschaf und erblickte am britischen Roslin-Institut in der Nähe von Edinburgh (Schottland) das Licht der Welt. Dolly entstand aus einer Eizelle, welche einem weiblichen Schaf entnommen wurde. Aus dieser Eizelle wurde der Kern mit dem Erbgut entfernt. An seine Stelle trat der Zellkern einer Körperzelle eines anderen Schafes. Die Eizelle wurde dann dem Mutterschaf wieder eingesetzt und entwickelte sich zu Dolly. Dolly musste vor kurzem getötet werden, weil sie an einem Lungenleiden litt.
Wilmut, der wissenschaftliche ‘Vater’ von Dolly, nimmt an, dass es bei geklonten Tieren meistens zu genetischen Defekten und in deren Folge zu Krankheiten kommt. Der Großteil der Embryonen geht aber schon lange vor der Geburt ein.
Würde ein Mensch geklont werden, was vom Prinzip her auch nicht anders als bei einem Schaf funktioniert, wäre ähnliches zu erwarten. Viele Embryonen würden absterben. Würde eine Frau tatsächlich ein Klon-Baby zur Welt bringen, wäre es wahrscheinlich von Anfang an krank und hätte keine hohe Lebenserwartung. Selbst wenn die Technologie nach zahlreichen Misserfolgen so weit entwickelt sein sollte, dass gesunde Kinder entstehen könnten, was für einen Sinn hätte das? Höchstens das Militär könnte vielleicht Gefallen an EinheitssoldatInnen finden. Jean-Claude van Damme lässt grüßen!

Klonen von Menschen

KommunistInnen beurteilen neue Technologien danach, ob sie dem gesellschaftlichen Fortschritt und der ArbeiterInnenklasse nützen oder nicht. Beim Klonen von Menschen ist dieser Nutzen nicht erkennbar. Die Gefahren überwiegen bei weitem. Auch wenn wir davor warnen, sich deswegen in falscher Sicherheit zu wiegen, unterstützen wir doch kritisch Gesetze, die das Klonen von Menschen verbieten.
So lange aber die Mittel der Wissenschaft und Produktion in privaten Händen verbleiben, so lange die Jagd nach dem Profit alles bestimmt, so lange werden auch die gefährlichst möglichen Anwendungen von Technologien Realität werden, wenn sie nur Gewinn versprechen. Ein Beispiel dafür ist Dr. “Frankenstein” Severino Antinori, der seine Klonexperimente, nachdem sie in der EU verboten wurden, einfach ins Ausland verlegte. Antinori behauptet, einer Frau erfolgreich einen geklonten Embryo eingesetzt zu haben, aus dem nicht ganz 9 Monate später ein Baby entstanden sein soll. Beweise für dieses Kind gibt es keine. In den USA klont eine wohlhabende Sekte, die RaelianerInnen, obwohl es auch dort verboten ist, Menschen zu klonen, munter drauflos. Was diese sinistren Gestalten im Schilde führen, können sich die LeserInnen selbst denken. Wo der Staat versagt, rufen wir zur direkten Aktion der ArbeiterInnenbewegung auf, um diesen Leuten das Handwerk zu legen.

Therapeutisches Klonen

Eine weitere mögliche Anwendung für das Klonen, an der geforscht wird, ist das sogenannte therapeutische Klonen. Die ersten Schritte sind hierbei die gleichen. Es wird ebenfalls einer Frau eine Eizelle entnommen, die Kerne werden getauscht, die Zelle beginnt sich zu teilen und das fremde Erbgut zu vermehren. Nach ca. 2 Wochen entwickelt sich die Blastozyste; diese besteht aus 50 bis über 100 Zellen. Mit der Absicht ein Baby zu ‘erzeugen’, müsste die Blastozyste jetzt wieder in die Gebärmutter eingesetzt werden.
Nicht so beim therapeutischen Klonen. Hier wird die Blastozyste zerstört und zerlegt. Somit werden menschliche embryonale Stammzellen gewonnen. Grundsätzlich enthält jede menschliche Zelle, so auch diese, die gesamte Erbinformation, sozusagen den gesamten Bauplan eines Menschen. Die Fantasie der WissenschafterInnen besteht darin, diese Zellen dazu zu bringen, sich weiter zu teilen und zu reifen. Damit könne man dann komplizierte menschliche Gewebe wie Nerven, Blut, Organe nachbilden. Die “Science nicht mehr ganz so fiction” könnte dann von Krankheiten zerstörte Organe ersetzen. Weil das Erbgut des neuen Organs das gleiche wie das der PatientInnen wäre, denen zuvor Zellen entnommen wurden, würde der Körper dieses nicht abstoßen. Es könnte ein menschliches ‘Ersatzteillager’ geschaffen werden.
Ob das ganze jemals funktioniert, ist überhaupt nicht klar. Obwohl in den Jahren von 1990-2000 etwa 50.000 Embryonen für die Forschung verbraucht wurden, ist noch kein wesentlicher Durchbruch gelungen. Die Alternative ist die Forschung an Stammzellen, die auch im Erwachsenen noch fortbestehen. Aber selbst wenn es gelingen sollte, Gewebe so oder so nachzubilden: Wer sollte das Versuchskaninchen sein, das sich dieses zuerst einsetzen lässt?
Trotz aller Unsicherheiten stecken Biotechnologiekonzerne Millionen in die Embryonen- und Stammzellenforschung. Der Grund für diese Entwicklung liegt auf der Hand. Bei Erfolgen winken Riesengewinne für die Branche. Die Lebenserwartung in den meisten industrialisierten Nationen wächst (noch); es gibt immer mehr Alte. Die Konzerne erwarten sich daher einen großen Markt. Sie drängen die Politik seit einigen Jahren zur sogenannten “Patentierung des Lebens”. Sie wollen ihre Erkenntnisse in der Gen- und Stammzellentechnik in Patente packen, und sie somit zu ihrem Privatbesitz machen, z.B. ein Patent auf menschliches Blut , das dann allen, die es brauchen, teuer verkauft werden kann.
Selbst wenn also mit Hilfe der Stammzellenforschung neue Therapien entwickelt werden sollten, ist es mehr als fraglich, ob die Visionen der WissenschafterInnen im kapitalistischen System Wirklichkeit werden würden. Leisten könnten sich das wohl nur wohlhabende PrivatpatientInnen.

Eckpfeiler einer revolutionären Haltung

Wir haben zur Frage des therapeutischen Klonens noch keine endgültige Position. Wir laden alle, die sich für dieses oder andere Themen interessieren, ein, mit uns gemeinsam darüber zu diskutieren. Einige Eckpfeiler unserer künftigen Position können wir aber heute schon festlegen:
Die moralische Sorge darum, ob eine Blastozyste, ein Zellhaufen von mikroskopischer Größe, schützenswertes menschliches Leben darstellt, können wir den Pfaffen überlassen.
Viel wichtiger ist für uns das Selbstbestimmungsrecht der Frauen. Frauen dürfen von der Biotechnologieindustrie nicht als Rohstofflager ausgebeutet werden. Die Entnahme von weiblichen Eizellen zu Forschungszwecken darf nur erfolgen, wenn dadurch keine gesundheitliche Beeinträchtigung der Frauen verursacht wird, dieser Eingriff freiwillig geschieht und die Frauen darüber informiert werden, was mit ihren Eizellen geschieht.
Wie immer, so bleiben wir auch in dieser Frage nicht bei der legalen Zähmung des Kapitalismus stehen. Wir schlagen mit Forderungen eine Brücke von der heutigen Ausbeutung und dem willkürlichen Ge- und Missbrauch der Technologie zu einer weltweit geplanten, demokratischen Wirtschaftsweise: dem Sozialismus.
Deshalb sind wir gegen private Forschung. Stattdessen treten wir für die Enteignung der Biotechnologiekonzerne wie Baxter&Co. unter ArbeiterInnenkontrolle und einen demokratischen Plan zur Weiterentwicklung und Nutzbarmachung der Biotechnologie ein. Ebenso sind wir für die weitest mögliche öffentliche Information zu diesen Fragen und eine breite Diskussion in der ArbeiterInnenbewegung. Nur so kann bürgerlichen und kleinbürgerlichen grünen Kräften die MeinungsführerInnenschaft zu diesen Themen entrissen werden.
Aber auch heute schon sollte die ArbeiterInnenbewegung im Zweifelsfall WissenschafterInnen ihres Vertrauens heranziehen, um sie zu beraten, welche Technologien und Anwendungen eine Gefährdung u.a. der Gesundheit, sozialer und demokratischer Rechte sind.
Wenn das der Fall ist, soll versucht werden, es mit den Kampfmitteln der ArbeiterInnenklasse – Streiks, Sabotage und Massenaktionen – zu unterbinden. Auf Dauer allerdings ist die Profitgier der Konzerne auch in dieser äußerst sensiblen Frage im Kapitlismus nicht zu zähmen. Daher: Kapitalismus stürzen, bevor er die Welt zerstört!