Klimaveränderung? Heizen wir dem Kapital ein!

Jänner 2003: Buschbrände in Australien; August 2002: Hochwasserkatastrophen in Deutschland, Österreich und der Tschechischen Republik; Trockenheit und Wasserrationierung auf Sizilien; 1998: großflächige Waldbrände in Indonesien ...
In den letzten Jahren häufen sich derartige Ereignisse. Immer mehr WissenschafterInnen sprechen davon, dass es sich hierbei um erste Folgen der sogenannten Klimaveränderung handelt. Auch wenn solche Zusammenhänge nie hundertprozentig bewiesen werden können, spricht vieles dafür.
Tatsache ist, dass sich die Atmosphäre (Gashülle um die Erde) in den letzten 100 Jahren um durchschnittlich 0,6°C erwärmt und der Meeresspiegel um 10-20 cm erhöht haben. Das mag nach wenig klingen - angesichts dessen, dass sich eine solch schnelle Erwärmung seit der letzten Eiszeit vor 10.000 Jahren nicht mehr zugetragen hat, ist es aber beachtlich.

Treibhauseffekt

Als Ursache wird der vom Menschen verursachte Treibhauseffekt genannt. Was das ist? Die Sonne sendet kurzwellige elektromagnetische Strahlung ins Weltall. Ein kleiner Teil dieser Strahlung trifft auf die Erde. Die Leistung dieser Strahlung beträgt an der Außenschicht der Atmosphäre ungefähr 340 Watt/m². Etwas weniger als ein Drittel davon wird von Atmosphäre, Wolken und der Erdoberfläche wieder reflektiert (gespiegelt) und ins Weltall zurückgeworfen. Der Rest erwärmt Luft und Boden.
Einen kleinen Teil der Sonnenstrahlung können wir als Licht sehen. Die Sonne erwärmt und erhellt aber nicht nur die Erde. Ihr Licht wird auch von den Pflanzen für den Aufbau von Zucker genutzt. Die Sonnenstrahlung ist somit für pflanzliches und - über die Nahrung - auch für tierisches und menschliches Leben unverzichtbar.
In Folge der Erwärmung gibt alles, was sich auf der Erdoberfläche befindet - egal ob Wasser, Erde, Pflanzen oder Asphalt, seinerseits eine langwellige Strahlung in Richtung Weltall ab. Diese Wärmestrahlung wird manchmal sogar als Flimmern über heißen Asphaltstraßen u.ä. sichtbar. Zwischen Erde und Weltall befindet sich aber, wie gesagt, ein Gasgemisch - die Atmosphäre. Diese verhindert, dass die gesamte Wärmeenergie ins Weltall abgegeben wird. Sie wirkt also wie ein Mantel, der die Erde nicht auskühlen lässt. Wäre dieser Schutz nicht vorhanden, wäre die Durchschnittstemperatur um 33°C kälter. Es würden also in großen Teilen der Erde arktische Temperaturen herrschen.
Wie viel Energie von der Atmosphäre zurück gehalten wird und welche Temperaturen sich daher auf der Erde einstellen, hängt davon ab, wie die Atmosphäre zusammengesetzt ist. Sie besteht überwiegend aus Stickstoff, Sauerstoff, Wasserdampf und in Spuren aus Edelgasen, Kohlendioxid (CO2), Lachgas (N2O), Methan (CH4), Ammoniak (NH3) u.s.w. CO2, N2O und CH4 sind die sogenannten Treibhausgase. Je mehr sich von ihnen in der Atmosphäre befindet, desto mehr Wärmeenergie wird zurückgehalten, desto stärker ist der Treibhauseffekt.

Industrialisierung

Einige WissenschafterInnen leugnen den Treibhauseffekt immer noch oder spielen ihn herunter. Im Wesentlichen ist ihre Argumentation, dass es schon immer Klimaschwankungen gab. Die jetzige Erwärmung könne also genauso natürliche Ursachen haben. In der Tat sind gewisse Schwankungen normal, wie zum Beispiel die kleine Eiszeit von 1450 bis Mitte des 19. Jahrhunderts. In dieser Phase lag die Temperatur ungefähr 1°C niedriger als heute. Folge war z. B. das häufige Zufrieren der Themse.
Die Ursachen für natürliche Schwankungen der Wärme- und Kälteperioden können zahlreich sein. Die wichtigste ist, dass Abstand und Winkel der Erde zur Sonne nicht immer gleich sind. Unser Planet eiert quasi durchs Universum. Damit verändert sich auch in regelmäßigen Abständen die Menge und Verteilung der Strahlungsenergie, welche die Erde erreicht. Eine andere Ursache kann vermehrte vulkanische Aktivität sein, die auch die Zusammensetzung der Atmosphäre verändert. Auch wenn all dies berücksichtigt wird, ist es doch recht offensichtlich, dass die Erwärmung der letzten 150 Jahre mit einem bestimmten Ereignis zusammenfällt: der Industrialisierung.
Die menschliche Kultur verursachte schon immer einen Ausstoß von Treibhausgasen, aber seit Beginn der industriellen Revolution steigerte sich deren Menge enorm. Das Verbrennen fossiler Rohstoffe (Kohle, Erdgas, Erdöl) durch Industrie und Verkehr in großem Maßstab bringt CO2 in die Atmosphäre ein, das vor langer Zeit durch Pflanzen und Tiere gebunden worden ist. So ist seit 1750 die CO2-Konzentration um 30% gestiegen.
Eine weitere Quelle von CO2 ist die Vernichtung großer Waldflächen, vor allem der tropischen Regenwälder in Afrika, Lateinamerika und Asien.
In Deponien, beim Nassreisanbau, bei der Lagerung und Ausbringung von Dünger, durch das Halten von Rindern (über 1,3 Milliarden weltweit) und Schweinen (900 Millionen weltweit) werden Faulgase (CH4, N2O) und Ammoniak freigesetzt. Deren Mengen sind zwar viel geringer als jene von CO2, die Treibhauswirkung dieser Gase ist aber stärker, so dass sie auch ins Gewicht fallen.

Auswirkungen

Die wahrscheinlichen Auswirkungen der Klimaveränderung sind zahlreich. Die Erdölindustrie versucht uns einzureden, dass alles halb so wild ist. Man hätte ohnehin alles unter Kontrolle und es gäbe ja auch einige positive Effekte. So werden in den USA kostspielige Untersuchungen unterstützt, bei denen CO2 in Wälder eingepumpt wird, um zu beweisen, dass sowieso alles von den Bäumen absorbiert wird. EXXON und SHELL würden sich also am liebsten als Wohltätigkeitsverein für arme Land- und ForstwirtInnen darstellen. Es ist wahr, dass höhere CO2-Konzentrationen das Wachstum von Pflanzen anregen. Die Antwort, wie die Bindung der freigesetzten Mengen CO2 angesichts der rasanten Abholzung der Wälder gelingen soll, bleiben uns diese ‘unabhängigen’ WissenschafterInnen aber schuldig.
Die für Mensch und Umwelt negativen Folgen überwiegen aber bei weitem. Es wird angenommen, dass sich die weltweiten Klimazonen (vom Äquator zu den Polen: Tropen und feuchte Subtropen, subtropische Trockengürtel, gemäßigte Zone, subpolare und polare Zone) polwärts verschieben. Das heißt u.a., dass sich die Sahara und die arabische Wüste nach Norden, die Namib und die australische Wüste nach Süden ausbreiten. Trockenheit und Verwüstung, Verlust von Ackerland und häufigere Brände in den betroffenen Gebieten sind die Folge.
Als scheinbarer Widerspruch, aber durch die höhere Wasseraufnahmefähigkeit der Luft erklärbar, könnten die Niederschläge in der gemäßigten Zone zunehmen. Damit erhöht sich die Gefahr von Starkniederschlägen und Überschwemmungen. Die größeren Mengen an Energie, die in der Atmosphäre gespeichert werden, können sich in Form von tropischen Wirbelstürmen (Hurrikan, Taifun) entladen. Die möglichen Schäden an Umwelt und Infrastruktur sind enorm.
Die Erwärmung bedingt auch ein Abschmelzen von Gletschern und Eismassen an den Polen. Der Meeresspiegel steigt und niedrig gelegene Landmassen werden überflutet. Tuvalu, ein Korallenatoll im Südpazifik, musste bereits geräumt werden. Reiche Länder wie die Niederlande werden wohl die Deiche ausbauen, fraglich ist, was z.B. im armen aber bevölkerungsreichen Bangladesh passiert? Befürchtet wird auch eine Ausweitung von klimabedingten Krankheiten wie Malaria.
Auf Kosten des Volkes
Gegenwärtig leben ca. 6,2 Milliarden Menschen auf der Erde. Von diesen leiden 2 Milliarden an Wassermangel und 700 Millionen an Hunger. Hunger aber hat in erster Linie soziale Ursachen. Auf der Welt wurden im letzten Jahr nämlich genug Lebensmittel erzeugt. Es hätten alle Menschen ausreichend ernährt werden können. Nur wurde diese Nahrung nicht an alle verteilt.
Stattdessen wurden die “Überschüsse”, v.a. in den imperialistischen Industriestaaten, gelagert, sind verfault, wurden vernichtet oder an Mastvieh verfüttert. Trotz “großzügiger” Hilfslieferungen in Hungergebiete gilt im Kapitalismus das Gesetz: “Wer nicht zahlen kann, soll auch nicht essen”. Diese ungleiche Verteilung kann sich im Zuge von vermehrten Dürren und Missernten aber noch verschärfen.
Sogar die bürgerliche Politik hat mittlerweile das Problem der Klimaveränderung erkannt. Im Dezember 1997 fand in Kyoto/Japan eine erste Konferenz zu diesem Thema statt. Für die EU wurde eine Reduktion der Treibhausgase um 8% auf der Basis von 1990 bis 2008/2012 beschlossen. Trotzdem die Beschlüsse dieser und weiterer Verhandlungen nicht ausreichen , um die Klimaveränderung zu bremsen, werden sie von den USA boykottiert. In den USA, dem weltweit größte Erzeuger von klimaverändernden Gasen (23% der Welt-CO2 Produktion 1990), herrscht ja bekanntlich die Öl-Lobby, die hinter Bush&Co steht.
Die internationale Öl- und Autoindustrie kann bei einer Nutzung alternativer Energiequellen und einer Abkehr vom Ottomotor (hin zu Wasser-, Wind- und Sonnenenergie, Wasserstoff- sowie Elektromotoren usw.) nur verlieren. Sie hat die Macht und den Willen so weiter zu machen wie bisher, so lange sie die Ölreserven profitabel nutzen kann. Ökologische Schäden bis hin zu Kriegen für die Kontrolle über Erdöllagerstätten werden da gerne in Kauf genommen.
Die Politik in der EU ist nicht wirklich besser. Im rot-grünen Deutschland werden die Kosten nicht BMW und Mercedes, den eigentlichen VerursacherInnen, aufgebrummt, sondern den Massen in Form von sogenannten Ökosteuern. Allgemein versuchen die Herrschenden die Folgekosten ökologischer Probleme auf die Bevölkerung abzuwälzen.
Diejenigen, die selber in Luxus und Verschwendung leben, sagen der Masse der ArbeiterInnenklasse in den Industrieländern, sie müssten ihren Lebensstandard einschränken. Nur wenn die Mobilität und der Konsum verringert werden, könne die Umwelt gerettet werden. Die “Entwicklungsländer” dürften gar nicht erst “westliche” Standards erreichen. Diejenigen, die zuhause drei Mercedes stehen haben, gestehen den 1,2 Milliarden ChinesInnen keine Autos zu.
Die Wahrheit ist vielmehr, dass das kapitalistische System, von dem nur kleine Eliten profitieren, ein System der puren Verschwendung und ökologischen Zerstörung ist. Wer, außer den UnternehmerInnen, hat etwas davon,
* wenn billige, schlecht gedämmte Wohnungen gebaut werden, bei denen “zum Fenster rausgeheizt” wird?
* wenn LKW’s und Autos die Straßen verstopfen, während der öffentliche Verkehr in der Stadt und über Land Güter und Menschen viel billiger und genau so schnell transportieren könnte?
* wenn nützliche Erfindungen, wie sparsamere Motoren, in Schubladen verschimmeln oder nicht entwickelt werden, weil sie den Treibstoffabsatz - und damit die Profite der Erdöl- und Autokonzerne - gefährden könnten?
* wenn alle Waren mit Bergen von Müll verpackt sind, die dann auf Deponien verrotten oder verbrannt werden?
Die Liste an Beispielen ist beliebig fortsetzbar. Es ist auch möglich, dass gewisse Einschränkungen im Konsum, wie z.B. ein geringerer Fleischverbrauch in den Industrieländern, sinnvoll und notwendig sind. Der größte Teil der Menschheit - davon auch viele in den imperialistischen Ländern (u.a. EU, USA, Japan) - lebt aber in Armut und Unterversorgung. Der Kapitalismus ist jedoch unfähig, diese zu überwinden und die Produktion ökologisch zu gestalten.
Keine Lösung ohne Sozialismus!
Um das zu erreichen, brauchen wir eine weltweit demokratisch geplante Wirtschaft. So könnte eine weltweite Umverteilung von Reichtum und Rohstoffen und eine neue Organisation der Erzeugung und des Verbrauchs erreicht werden. Die bisherige ‘Umweltpolitik’ ist abzulehnen. Es müssen diejenigen zur Kasse gebeten werden, welche die wahren VerursacherInnen der Klimaveränderung sind: die Erdöl-, Auto-, Flugzeug- und Agrarindustrien.
Notwendig ist ebenso eine massive staatliche Forschung unter Kontrolle der Lohnabhängigen in Richtung alternativer Energiequellen und zur Vermeidung von Energieverschwendung.
Es müssen rasch Maßnahmen umgesetzt werden wie:
* Wiederaufforstung
* massiver Ausbau des öffentlichen Verkehrs und Zurückdrängung des Autos
* Förderung von Kooperativen in der Landwirtschaft zur Ökologisierung der Produktion (z.B. Biogasanlagen)
* Wärmedämmung im Wohnungsbau
* Ausbau alternativer Energiequellen und Einschränkung kalorischer Kraftwerke.
Wenn sich die Bonzen weigern, die Klimaveränderung aufzuhalten, müssen sie von der ArbeiterInnenklasse enteignet werden! Es wird nämlich höchste Zeit, die Klimaveränderung und jede andere Form von Umweltverschmutzung zu stoppen. Machen wir denen Feuer unterm Hintern, die dem Klima einheizen!

Exkurs 1: MarxistInnen und die Ökologiebewegung

Obwohl das Proletariat und die kleinen Bauern/Bäuerinnen am meisten unter den umweltzerstörenden Folgen des Kapitalismus leiden, waren es Teile des städtischen KleinbürgerInnentums und der Intelligenz in den imperialistischen Ländern, welche diese Gefahr als erste erkannten. Seit der zweiten Hälfte der 1970er vervielfachte sich die Anzahl von Ein-Punkt-Kampagnen beispielsweise in der BRD und in Österreich, aber später auch in Frankreich und Italien. Diese mündeten schließlich in eine breite Ökologiebewegung.
Diese wurde vorwiegend von kleinbürgerlichen Kräften getragen, da erstmals ihre Wohngegenden, Kinder und Gesundheit bedroht waren. Aufgrund ihrer sozial und kulturell privilegierten Position waren sie in der Lage, die Umwelt zum politischen Thema zu machen. Einige von ihnen beleuchteten sogar die Folgen für die halbkolonialen Ländern.
Ihre Politik war zwar begrenzt, nichtsdestotrotz aber fortschrittlich, da sie das Problem der Umweltzerstörung in einer systematischen Form aufgriff. Sie führte Massenmobilisierungen durch und die Ökologiefrage gewann folglich Einfluss auf das öffentliche Bewusstsein. Außerdem gelang es, eine bedeutende Anzahl von qualifizierten und gut bezahlten ArbeiterInnen einzubeziehen. Die großteils utopischen, teilweise sogar reaktionären Antworten (à la “small is beautiful” und “Zurück zum einfachen Leben in Einklang mit der Natur”) ändern nichts an der fortschrittlichen Rolle, die sie angesichts reformistisch dominierter ArbeiterInnenorganisationen spielte, die in dieser Frage selbstzufrieden an der Seite der Bourgeoisie standen.
Doch die vorgeschlagenen Lösungen griffen weder die Herrschaft des Privateigentums an Produktionsmitteln noch die des bürgerlichen Staates an. Das spiegelt die soziale Lage des KleinbürgerInnentums und der Intelligenz wider. Die von ihnen vorgeschlagenen Strategien und Taktiken waren – abgesehen von ihrer häufigen Ineffektivität – auch eine Ablenkung von der Notwendigkeit, die ArbeiterInnenklasse zu mobilisieren.
Aber wo diese kleinbürgerlichen Bewegungen Mobilisierungen initiieren, welche die Interessen der ArbeiterInnenklasse verteidigen oder vorantreiben, dort sind gemeinsame Aktionen mit ihnen erforderlich. Unser Ziel ist es, sie für eine proletarische Orientierung zu gewinnen.

Exkurs 2: Regenwald und Landreform in Brasilien

Brasilien ist ein sehr anschauliches Beispiel dafür, wie ökologische mit sozialen Problemen zusammenhängen. Der Regenwald im Amazonasbecken stellt das größte und zerstörteste tropische Waldgebiet der Erde dar. Von den 4 Millionen km² Regenwald, die es noch 1970 gab, wurden bereits eine halbe Million km² zerstört. Das ist eine Fläche so groß wie Frankreich! Ein Teil davon ist der Holzindustrie, die hemmungslosen Raubbau betreibt, und dem Export von Tropenhölzern zum Opfer gefallen.
Der größte Teil wurde aber von landlosen Bauern/Bäuerinnen gerodet. Die ehemalige Regierung Brasiliens förderte den Zuzug von armen Familien aus dem ganzen Land und teilte ihnen Parzellen zur Bewirtschaftung zu. Da das Abbrennen des Waldes, ohne Maschinen, am wenigsten Arbeit erfordert, wurde meist diese Methode angewandt. Dabei gehen die meisten Nährstoffe aber sofort verloren. Außerdem ist die Humusauflage in den Tropen sehr dünn. Die Parzellen können folglich als Äcker meist nur 3-4 Jahre mit ausreichenden Erträgen genutzt werden. Dann sind die Familien, wollen sie sich ernähren, gezwungen weiterzuziehen, um dasselbe zu wiederholen. Das degradierte Land kann dann noch ein paar Jahre als Weideland für Rinder von McDonalds&Co genutzt werden, bis es völlig wertlos wird.
Diese Politik ist eine Sackgasse, bei der die Holz- und Lebensmittelkonzerne reich werden, während die Bauern/Bäuerinnen arm bleiben. Der Regenwald wird teilweise für immer zerstört und riesige Mengen an CO2, das in der Biomasse des Waldes gespeichert ist, werden frei gesetzt.
Gleichzeitig besitzen in Brasilien 1% der 160 Millionen EinwohnerInnen ca. 40% des fruchtbareren Ackerlandes im Süden und Westen des Landes. Beherrscht wird das Land von Großgrundbesitz und Plantagenwirtschaft - ein System, das noch aus der Kolonialzeit stammt. Die besten Flächen werden für den Anbau von Exportfrüchten wie Zuckerrohr, Kaffee, Erdnüsse und Orangen genutzt. Große Landflächen im Besitz der Hazienderos (60% des möglichen Ackerlandes!) liegen Brach oder werden nur für extensive Rinderzucht verwendet. Die Masse in diesen Gebieten lebt in Armut als TagelöhnerInnen oder kleine PächterInnen. Kein Wunder also, dass sich viele durch Abwanderung in den tropischen Norden eine Verbesserung erhoffen. Ihre Erwartungen werden aber enttäuscht.
Die Ausbeutung durch die GroßgrundbesitzerInnen und die ungerechte Verteilung des Landes führten in den 1980ern zum Aufbau einer Bewegung der Landlosen, der MST (movimento sem terra). Sie organisierte die Besetzung von brachliegendem Land durch bisher 250.000 Familien. Das Land wird bewirtschaftet, die Regierung wird dazu aufgefordert, die Besetzungen zu legalisieren und Kredite zur Verfügung zu stellen. Staat und Großgrundbesitz reagieren auf diese Bewegung mit großer Härte. In den letzten 10 Jahren wurden mehr als 1.000 Menschen bei Auseinandersetzungen um Land getötet. Bis August 1999 wurden nur 53 der verdächtigten MörderInnen vor Gericht gebracht!
Auch aufgrund dieses und vieler anderer sozialer Probleme wurde Ignazio da Silva, genannt Lula, in Brasilien zum neuen Präsidenten gewählt. Lula, Mitglied der ArbeiterInnenpartei, weckte die Hoffnungen von Millionen von Armen auf Brot und Land. Aber Lula steht loyaler zu den Unternehmen und LandbesitzerInnen als zu seinen WählerInnen. Er versucht der MST durch Lebensmittelhilfsprogramme für die Hungernden den Wind aus den Segeln zu nehmen. Statt Landreform und Selbsthilfe gibt’s jetzt Almosen für die Armen. Der MST darf dabei nicht mitspielen, muss den Kampf fortsetzen und die erhobenen Forderungen sogar radikalisieren und von Lula eine echte Landreform verlangen. Es führt kein Weg daran vorbei, den Großgrundbesitz zu enteignen. Das Land kann dann entweder in Kooperativen oder individuell bewirtschaftet werden. Das ist der Schlüssel zur Beendigung der Armut und zusätzlich zu anderen Maßnahmen auch zur Rettung des Regenwaldes.

Exkurs 3: Den Kapitalismus bekämpfen – Unsere Umwelt regenerieren!
Aktionsprogramm gegen die kapitalistische Umweltzerstörung

Im Folgenden veröffentlichen wir einen leicht überarbeiteten und gekürzten Auszug aus unserem neuen Programmentwurf “Vom Protest zur Revolution – Manifest für eine neue Internationale”. Diesen Entwurf werden wir auf dem kommenden Kongress der Liga für eine revolutionär-kommunistische Internationale (LRKI) – deren österreichische Sektion der ArbeiterInnenstandpunkt ist – im April diskutieren, abändern und beschließen. InteressentInnen können den Programmentwurf über unsere Kontaktadressen beziehen. Über Anregungen und Kritikpunkte freuen wir uns.
Im Lauf der Geschichte hat die menschliche produktive Tätigkeit die natürliche Umwelt beeinträchtigt. Bis jetzt waren diese Veränderungen lokaler Art und haben die Masse der Menschheit und den Planeten insgesamt nicht in Mitleidenschaft gezogen. Die globale Produktionsweise der kapitalistischen Industrialisierung und die Plünderung der Rohstoffe haben aber von Anfang an qualitativ neue Gefahren für unseren Planeten heraufbeschworen. Die Industrialisierung untergrub die Lebensbedingungen. Deshalb nahm die ArbeiterInnenbewegung den Kampf gegen diese Bedrohung auf.
Der Produktionszuwachs im 20. Jahrhundert schuf eine Situation, in der das globale Ökosystem in Gefahr gerät. Durch die Zerstörung des tropischen Regenwaldes, der Lunge der Welt, droht ein massiver Klimaumschwung. Wir steuern im neuen Jahrhundert auf eine von Menschen gemachte Katastrophe durch die Klimaerwärmung zu. Diese wird verheerende Folgen für die Menschheit haben: gesellschaftliche, wirtschaftliche und psychologische. Der Niedergang der Landwirtschaft und die Ausbreitung von Krankheiten, Hunger und Stress werden weite Teile unseres Planeten zur Hölle machen. Jetzt schon sind Boden, Flüsse und Meere mit Schadstoffen verseucht und die Luft zum Atmen verschlechtert sich ständig.
Kapitalismus ist von Grund auf umweltfeindlich. Die KapitalistInnen brauchen im Konkurrenzkampf immer höhere Profite. Deswegen werden die Ressourcen ohne Rücksicht auf menschliche Bedürfnisse und die Auswirkungen auf künftige Generationen verbraucht. Die KapitalistInnen sperren sich gegen eine Schonung von Rohstoffvorkommen, Verschmutzungskontrollen oder die Wiederverwendung von Materialien, weil dies oft die ‘teureren’ Lösungen sind. Für sie rechnet es sich eher, Abfälle in die Umwelt zu kippen, als diese zu säubern. Doch die Verbindung von wissenschaftlichem und technischem Fortschritt hat ein Überflusspotenzial für die gesamte Menschheit geschaffen.
Die ArbeiterInnenklasse hat ein Interesse daran, den Kapitalismus an der Verwüstung unserer Welt zu hindern. Schon immer haben ArbeiterInnen dafür gekämpft, gefährliche Produktionsmethoden auszuschalten und Sicherheitsstandards gegen den Widerstand von KapitalistInnen und Staat durchzusetzen. Die ArbeiterInnenbewegung hat der herrschenden Klasse Gesetze abgetrotzt und Errungenschaften greifbar gemacht. Sie kann auch hier die Führung übernehmen und die arme Landbevölkerung sowie die BewohnerInnen der Elendsquartiere mobilisieren und den Verfall der Umwelt aufhalten und umkehren.
Die Menschheit braucht einen grundsätzlichen Wandel in der Energieerzeugung, weg von fossilen Brennstoffen, hin zu massiven Investitionen in erneuerbare Energieformen wie Wind-, Wasser- und Sonnenkraft. Wir brauchen ein weltweites Programm zur Wiederaufforstung genauso wie eine massive Ausdehnung des öffentlichen Verkehrs, um die Umweltverschmutzung durch den zunehmenden Individualverkehr zu bekämpfen.
Die ArbeiterInnenklasse und all jene, welche die Notwendigkeit sehen, unseren Planeten zu retten, sollten für strenge Kontrollen und empfindliche Strafen gegen umweltverschmutzende Firmen eintreten. Konzerne wie die großen Ölgesellschaften, die diese Maßnahmen missachten, müssen enteignet werden!
Die Erzeugung von Energie durch Kernspaltung ist ausgesprochen unsicher und birgt ein Katastrophenpotenzial unvorstellbaren Ausmaßes in sich. Solange sie nicht wirklich sicher sind, kämpfen wir für die planmäßige Stilllegung der Kernkraftwerke sowie für einen organisierten Wechsel zu sichereren Formen der Energieerzeugung. Jene ArbeiterInnen in der Nuklearindustrie, die nicht für den sicheren Rückbau benötigt werden, müssen bei gleichen Löhnen und Arbeitsbedingungen auf umweltfreundliche Methoden der Energieerzeugung und des Energieeinsatzes umgeschult werden.
Gefährliche Prozesse und Praktiken in den Werken können nur dadurch gestoppt werden, dass Fabrikkomitees und die Gewerkschaften ihr Veto einlegen und die Einführung von sichereren Technologien oder Arbeitsbedingungen auf Kosten des Profits überwachen. Wo die Gefahr über das einzelne Unternehmen hinausgeht, treten wir für die direkte Aktion seiner ArbeiterInnen und der örtlichen Gemeinde mit dem Ziel ein, die Regierung zu zwingen, die Verwendung sichererer Methoden vorzuschreiben. Wo die Bosse oder ihr Staat die Gefahr leugnen oder wirtschaftliche Rentabilität zur Verteidigung gefährlicher Fabriken ins Treffen führen, rufen wir zur Offenlegung aller Geschäftsbücher und -unterlagen für eine ArbeiterInnenuntersuchung auf.
Diese muss dann entscheiden, ob der betreffende Betrieb unmittelbar geschlossen werden soll oder ob Verbesserungen der Sicherheitsstandards ausreichen. RevolutionärInnen präjudizieren die Entscheidung einer solchen wissenschaftlichen Untersuchung nicht. Wir unterstützen die Mobilisierung der ArbeiterInnenklasse zur Forderung nach und Durchsetzung der Schließung, wo eine ArbeiterInnenuntersuchung oder eine Kommission der ArbeiterInnenbewegung die Schließung empfiehlt oder wo akute und unmittelbare Gefahr besteht. In diesen Fällen fordern wir die Sicherung des Lebensstandards der Arbeitskräfte durch den Staat.
Wir kämpfen für ArbeiterInnenkontrolle über Forschung und Planung der wissenschaftlich-technischen Institutionen der Unternehmen und des Staates. Diese erfordert die Offenlegung aller Forschungs- und Entwicklungsprojekte und die Formulierung von Gesundheits- und Sicherheitsanforderungen dafür. Weiters kann das auch bedeuten, in einem Programm gesellschaftlich nützlicher, öffentlicher Arbeiten andere Forschungsziele durchzusetzen.
Keine dieser Forderungen lässt sich ohne den Kampf um ArbeiterInnenkontrolle und die Enteignung der Konzerne durchsetzen. Keine kann im nationalen Maßstab umgesetzt werden. Kein Ziel kann erreicht werden, ohne den KapitalistInnen die politische und wirtschaftliche Kontrolle zu entringen und durch eine demokratische internationale Planwirtschaft zu ersetzen. Nur so können wir auch die enormen Ungleichheiten zwischen überfüllten Städten, die an Abgasen ersticken, und ausgeplünderten, entvölkerten ländlichen Gegenden überwinden.
Die militante Verteidigung der Umwelt gegen den Raubbau des Kapitals, die Wiederherstellung der städtischen und ländlichen Umwelt, um das Ungleichgewicht zwischen Stadt und Land auszugleichen und eine sozialistische Gesellschaft, die auf Gemeineigentum und demokratischer Planung beruht – dies sind die Voraussetzungen für den Aufbau von freien menschlichen Gemeinschaften und die Sicherung des Überlebens unserer Umwelt.