Die schöne neue Welt der Gentechnik

Die Frage der genetisch modifizierten Organismen (GMOs) spielt in der Diskussion über die Zukunft unserer Welt eine immer bedeutendere Rolle. Sie beeinflusst mittlerweile nahezu unser gesamtes Leben. Die Versuche eines italienischen Arztes, Menschen zu klonen, sind da nur der Gipfel. Der Traum der EU-BürokratInnen von einheitlichen Tomaten und Bananen mit EU-Norm könnte unsere Realität schneller als gedacht massivst beeinflussen. Hoch an der Zeit, sich dieser Frage vom marxistischen Standpunkt zu nähern.

Was sind eigentlich Gene?

Alle Lebewesen, die bisher auf der Erde entdeckt wurden, egal ob Mensch, Weizen oder Hefepilz, enthalten Gene. Gene sind nichts anderes als der Bauplan des Lebens. Auch einE ArchitektIn zeichnet zuerst den Plan eines Hauses, bevor es dann von BaumeisterIn, MaurerInnen, ElektrikerInnen usw. erbaut wird. In diesem Sinne verwenden die Zellen die Informationen, die in den Genen enthalten und festgelegt sind, um die Eiweiße, die Bausteine des Lebens, zu erzeugen.
Das heißt, dass wir ohne Gene nicht leben können, und dass sie eine Vielzahl von Dingen bestimmen, z.B. ob wir Mann, Frau oder Hermaphrodit sind, wie wir aussehen (glatte Haare oder Locken, die Hautfarbe usw.), ob wir Erbkrankheiten haben oder nicht usw.
Die Gene bestehen aus langen chemisch miteinander verknüpften Basenpaaren, der so genannten Desoxyribonukleinsäure (DNS). Diese hat die Form einer spiralig verdrehten Strickleiter, wobei die Basenpaare die Sprossen der Stickleiter darstellen. Diese langen DNS-Moleküle sind selbst wiederum zu großen Knäueln aufgewickelt, den so genannten Chromosomen. Der Mensch hat in jeder seiner vielen tausend Zellen 46 solcher Chromosome.
Die Gene sind also Abschnitte auf diesen Chromosomen und sie enthalten eine verschlüsselte Nachricht. Diese Nachricht kann von den Ribosomen, den MaurerInnen in der Zelle, gelesen werden; sie bauen nach der Vorlage dieses Bauplans die Eiweiße auf. Aus diesen Eiweißen besteht neben anderen Stoffen wie Wasser, Fetten oder Mineralien unser Körper. Die Art und die Verwendung der Eiweiße sowie die Festlegung dessen in den Genen macht den Unterschied zwischen Esel und Mensch aus.

Gentechnik

Die Gentechnik ist eine sehr junge - die ersten erfolgreichen Experimente wurden 1973 gemacht - und umstrittene Technologie, die sich das Wissen um die Gene zu Nutze macht. Sie versucht in das Genom (Gesamtheit aller Gene) eines Organismus fremde Gene einzuschleusen. Sie verwendet dafür verschiedenste "Genfähren" wie Viren, Plasmiden (DNS-Ringe) oder mechanische Methoden wie sogenannte Genkanonen. Zweck der Übung ist es, die Zielorganismen dazu zu bringen, nach der Anleitung dieser Gene Eiweiße zu erzeugen, welche die unterschiedlichsten Aufgaben übernehmen und Anwendungsmöglichkeiten haben. Mensch kann damit so tolle Sachen machen wie Hundebabys dazu bringen, mithilfe des Gens eines Tiefseefischs in der Nacht fluoreszierend zu leuchten (wir finden sie dann viel leichter). Es gibt aber auch sinnvollere Möglichkeiten wie z.B. aus genetisch veränderten Bakterien Enzyme zu gewinnen, die als Medikamente gegen Krebs oder multiple Sklerose eingesetzt werden können.
Wieder einmal hat der Kapitalismus seine, wie Marx es sagt, Produktionsweise revolutioniert. Er hat eine neue Technologie geschaffen, die von ihrer Bedeutung her mit der Erfindung des Webstuhls oder der Dampfmaschine vergleichbar ist. Eine Technologie, die große Möglichkeiten aber auch viele Gefahren in sich birgt. Und wieder einmal ist der Kapitalismus völlig unfähig, die Geister die er rief, sprich die neue Technik, zu bändigen und sinnvoll zum Wohl der Allgemeinheit einzusetzen.
Dieser Widerspruch erzeugt in der kapitalistischen Gesellschaft die unterschiedlichsten Anschauungen der verschiedenen Klassen, Institutionen und Cliquen zur Anwendung der Gentechnik. Aufgabe von KommunistInnen ist es hier, diese Anschauungen zu analysieren, eine eigene zu entwerfen und diese als Anleitung für den Klassenkampf zu verwenden.

Konzerne

Die Konzerne, ihre bezahlten WerbefritzInnen und teilweise auch bestochene WissenschafterInnen sind die größten Hurra-SchreierInnen, wenn es um die Anwendung der Gentechnik im großen Stil geht. Kein Wunder, sie erwarten sich von und erwirtschaften mit ihr bereits Milliarden-Profite. So betrug der unversteuerte Gewinn des Novartis-Konzerns, der neben pharmazeutischen Produkten mit gentechnisch verändertem Saatgut handelt, im Jahr 2000 4,52 Milliarden Euro. Die transgene Saatgutsorte RoundupReady Soja der Firma Monsanto erreichte 1997 im zweiten Jahr nach der Einführung bereits einen Marktanteil von 15% in den USA. Das entspricht einer Anbaufläche von 4 Millionen Hektar.
Angesichts solcher Zahlen spielen ökologische und soziale Probleme für die Konzerne kaum eine Rolle.
Anstatt Unkräuter mit Hilfe von richtigen Fruchtfolgen, mechanischer Unkrautbekämpfung (Hacken, Striegeln) oder herkömmlicher Züchtung zu unterdrücken, setzt Monsanto voll auf Herbizide und Gentechnik. Konkret werden herbizidresistente Soja- und Maissorten gentechnisch hergestellt. Auf die Felder spritzt mensch dann das Totalherbizid Roundup, das alle Gräser und Kräuter, bis auf die Kulturpflanze und nebenbei auch noch einen großen Teil der Bodenorganismen umbringt. Durch diesen brutalen Umgang mit den Mikroorganismen kann die langfristige Bodenfruchtbarkeit, zu Gunsten kurzfristiger Einsparungen und Mehrerträge, geschädigt werden.
In vielen Ländern sind bereits zahlreiche mit Hilfe von Gentechnik erzeugte Produkte wie die berühmte Anti-Matsch-Tomate, Bier, Käse, Brot usw. auf dem Markt. Kaum wissenschaftlich erforscht ist, ob die vielen fremden Eiweiße und Enzyme, mit denen der menschliche Körper konfrontiert wird, z.B. Allergien auslösen könnten.
Eine besonders bizarre Form der Züchtung, die angewendet wird, ist es, Pflanzen ohne Abschirmung radioaktiv zu bestrahlen, um damit brauchbare Mutationen zu erzeugen. Dass in den Genomen der Menschen, die dort arbeiten, auch Mutationen entstehen können, ist nicht unwahrscheinlich. Wir beenden diese kleine Horrorshow, obwohl die Liste beliebig fortgesetzt werden könnte.
Klar ist aber auch, dass es durchaus sinnvolle Projekte gibt, die meistens auch einen anderen Hintergrund haben.
So sind staatliche Forschungseinrichtungen in Asien bemüht, gentechnisch neue Reissorten herzustellen. Diese sollen ausreichend Provitamin A enthalten, das in herkömmlichen Sorten nur in geringen Mengen vorhanden ist. Der Mangel an Vitamin A in Folge von einseitigem Reiskonsum führt in den Ländern Südostasiens dazu, das ca. 5 Millionen Kinder an Xerophtalmie, einer Krankheit die zum Erblinden führt, leiden.

Die heilige Kirche?

Die katholische Kirche und andere Betvereine schlagen die Hände über den Köpfen zusammen ob dieses teuflischen Eingriffs in die "göttliche Schöpfung". Was für ein Glück ist es da, dass Gott die Welt nicht erschaffen hat und diese Pfaffen sie auch nicht mehr alleine beherrschen. Ginge es nach ihnen, so würden wir heute noch glauben, dass die Welt eine Scheibe ist und kommunistische KetzerInnen würden verbrannt werden.
Obwohl die Biotechnologie sicher moralische Fragen aufwirft (sollen wir z.B. Menschen klonen), können wir dieser pfäffischen Doppelmoral nicht trauen. Die Kirche sieht auch in der bürgerlichen Wissenschaft eine Konkurrenz zu ihrem Einfluss und ihrer Macht. Deshalb bekämpft sie das Kondom in Afrika und schützt die befruchtete Eizelle vor dem "bösen Gen". Gleichzeitig profitiert sie weltweit von der Billigstarbeitskraft Hunderttausender, die auf ihren Riesenländereien fast zum Nulltarif ausgebeutet werden. Mit dem Einsatz moderner Technologien hätte es sein Ende damit, denn dann müssten Arbeitskräfte durch Maschinen ersetzt werden, was die Profite des Multinationalen Konzerns katholische Kirche zum Schmelzen bringen würde wie Eis in der Sonne.

Der Staat: Freund der Konzerne

Der bürgerliche Staat gibt vor, neutral zu sein und uns mittels Gesetzen, Importbeschränkungen und Kontrollen vor den Gefahren der Gentechnik zu schützen. Hinter dieser dünnen Fassade verbirgt sich jedoch ein Abgrund aus dichtem Filz zwischen den StaatsbürokratInnen, den Konzernen und dem Finanzkapital, der ein Kennzeichen des Imperialismus ist.
In Wirklichkeit versucht der Staat uns zu beschwichtigen, während die Konzerne mit der Gentechnik machen was sie wollen. Beispiel dafür ist die EU-Bio-Patent-Richtlinie von 1998, die jetzt auch in Österreich umgesetzt wird. Sie besagt, dass einzelne Gene bis hin zu ganzen Organismen (ob gentechnisch verändert oder nicht) patentiert werden können. Damit können die Konzerne vom Staat geschützte Monopole auf Lebewesen erwerben.
In vielen Agrarländern hat das schon dazu geführt, dass sich die SaatgutherstellerInnen die traditionell verwendeten Sorten der Kleinbauern/-bäuerinnen patentieren ließen, dann hohe Lizenzgebühren dafür verlangten und die Bauern/Bäuerinnen damit zwangen, ihre, oftmals gentechnisch veränderten, billigeren Produkte, zu kaufen. Dass SchwarzBlau in Österreich hier keinesfalls eine Ausnahme darstellt, beweist die Gentech-Affäre des Jahres 2001. In Österreich wurde u.a. durch die Firma Pioneer genetisch verunreinigtes Maissaatgut vertrieben, was gegen Gesetze verstieß. Dieses Saatgut ist nicht selbst genetisch verändert worden, sondern gentechnisch veränderter Mais wurde bei der Saatguterzeugung durch Pollenflug eingekreuzt. Der bereits angebaute Mais wurde dann erst nach der Maisblüte, was die Sache ziemlich sinnlos macht, eingestampft. Aber anstatt dann Pioneer, Raiffeisen, GroßlandwirtInnen & Co. zur Kasse zu bitten, kam Landwirtschaftsminister Molterer auf die glorreiche Idee, einfach den Grenzwert für Verunreinigungen zu erhöhen. Das Saatgut kann jetzt also ohne Ärger weiter verkauft werden. Die guten Beziehungen zum Kapital sind diesen seinen HandlangerInnen wohl mehr wert als unsere Gesundheit.
Und falls wirklich einmal Gesetze die UnternehmerInnen an ihren Vorhaben hindern sollten, dann gehen sie eben dorthin, wo es diese nicht gibt. So schlau war auch Dr. Antinori, ein italienischer Frauenarzt, der derzeit in Katar erstmals Menschen klont.

Grüne und das Gentechnik-Volksbegehren

Als einzig wahre KämpferInnen gegen die Gentechnik sehen sich die Grünen gerne. Auch wenn sicher einige ehrliche ökologische Beweggründe hinter ihrer Politik stecken, halten wir sie trotzdem für falsch. Ihr letztes Anti-Gentechnik-Volksbegehren kann von der Wirkung her als mäßig erfolgreich bezeichnet werden. Auch hatte es eine technikfeindliche Haltung, die ebenso gegen sinnvolle Forschung gerichtet war. Was die Grünen nicht verstehen, ist, dass nicht die Gentechnik das Problem ist, sondern ihre skrupellose Anwendung im Kapitalismus durch die Konzerne.
Gleichzeitig sind Volksbegehren nie das beste Mittel, um in Österreich etwas zu erreichen. Der Kampf der ArbeiterInnenklasse in Form von Streiks und Massendemonstrationen ist der einzige Weg. Aber dazu sind die Grünen aus mehreren Gründen nicht bereit. Erstens stehen sie politisch nicht auf Seiten des Proletariats und zweitens ist diesen Nur-ParlamentarierInnen der Kampf von Massen zuwider, da sie ihn nicht kontrollieren können.

Was tun?

Das führt uns auch schon zur Schlussfolgerung. Wir bekämpfen nicht die Gentechnik an sich, sondern den Kapitalismus, der unverantwortlich mit so gut wie jeder Technologie umgeht. Wir müssen den Konzernen und dem Agrobusiness die Kontrolle über diese Technologie entreißen. Erst dann wird sie wirklich denen zu Gute kommen, die sie brauchen können, den ArbeiterInnen und armen Bauern/Bäuerinnen. Deshalb sind wir für die Enteignung und Verstaatlichung der Gentech-Konzerne und des Großgrundbesitzes unter Kontrolle der ArbeiterInnen und armen Bauern/Bäuerinnen. Dann können WissenschafterInnen, die das Vertrauen der Belegschaften und der KonsumentInnen genießen, die sinnvolle Weiterentwicklung der Gentechnik betreiben.
Solange das nicht erreicht ist, sind wir für einen Stopp der privaten Freisetzung von GMOs, für die volle Kennzeichnungspflicht der Produkte, und dafür, die UnternehmerInnen für alle Schäden vollständig bezahlen zu lassen!
Anstelle des Genschachers, den die EU überall durchsetzen will, sind wir dafür, staatliche Gen- und Samenbänke einzurichten. Diese könnten Saatgut günstig an kleine Bauern/Bäuerinnen abgeben und auch bedrohte Arten und alte Kultursorten als Genreservoir erhalten.
So wie mit jeder anderen Technik ist es auch mit der Gentechnik. Solange die KapitalistInnen sie kontrollieren, wird jede Technologie rücksichtslos auf Kosten von Mensch und Natur zur Steigerung des Profit eingesetzt werden. Nur unter demokratischer Kontrolle der ArbeiterInnenklasse kann der Umweltzerstörung endgültig ein Ende gesetzt werden. Und dazu ist es notwendig, die KapitalistInnen zu enteignen und die gesamte Wirtschaft einer demokratischen Kontrolle zu unterwerfen.